2 indische Heilige in Neustadt

 

 

 

                        Zwei Indische Heilige in der Stiftskirche Neustadt

 

 

                 

 

In unserem Gotteshaus sind bei der Muttergottesfigur gegenüber dem Eingang, die Reliquien zweier indischer Heiliger zur Verehrung aufgestellt. 

Es handelt sich um beurkundete Knochenreliquien von Schwester Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis  (1910-1946) und von Pater Kuriakose Elias Chavara (1805-1871)

 

 

                                              Die Reliquie der Hl. Alphonsa, mit Urkunde

 

                        Wie kommen 2 indische Heilige nach Neustadt?

 

Im Frühjahr 1995 fuhren zwei Mitglieder von Abbè Arnettes damals noch inoffizieller altritueller Gemeinde in Frankenthal-Mörsch, auf Urlaub nach Indien. Das deutsch-indische Ehepaar gehörte dem lateinischen Ritus der katholischen Kirche an und hatte bis kurz vorher noch niemals persönlich mit Katholiken orientalischer Riten näher zu tun gehabt, obwohl es davon in Indien viele gibt.

 

Einige Monate vor Reiseantritt hatten sie ein sonderbares Erlebnis: Im St. Marthaheim Speyer waren indische Herz-Jesu-Schwestern aus Kerala eingezogen. Sie sprachen die gleiche Sprache wie die Dame aus Pfarrer Arnettes Gemeinde, gehörten jedoch dem syro-malabarischen Ritus an, einem orientalischen Zweig der katholischen Kirche. Interessehalber luden die Schwestern das Ehepaar eines Tages ein, als ihr Diözesanbischof Mar George Punnakottil aus Kothamangalam/Kerala zu Besuch kam und in der Kapelle des Marthaheimes eine syro-malabarische Messe zelebrieren wollte. Dort finden gewöhnlich nur Messen im hierzulande üblichen, (modernen) lateinischen Ritus statt, mit Zelebrationsrichtung zum Volk. Der Altar ist so konzipiert, daß an ihm sowohl zum Volk, als auch zum Tabernakel hin zelebriert werden kann. Ohne bösen Willen hatten die Schwestern den Altar so eingedeckt, daß der Geistliche zum Volk zelebrieren würde. Dies lehnte Bischof Punnakottil freundlich aber nachdrücklich ab und stellte die Schwestern vor die Alternative, entweder zum Altar hin zu zelebrieren wie es in der katholischen Kirche Tradition sei oder dies gar nicht zu tun. Selbstverständlich kamen die Schwestern schließlich dem Wunsch ihres Oberhirten nach und gestalteten den Altar um. Das Ehepaar war angenehm überrascht als sie der Bischof nach der Hl. Messe ermutigte, sich auch im lateinischen Ritus gegen die Volkszelebration zu engagieren, was sie ja ohnehin taten. Daher entwickelte sich eine dauerhafte Freundschaft mit Mar George Punnakottil, in die schließlich auch Abbè Arnette und die altrituelle Gemeinde in Mörsch einbezogen wurde. Noch 2010 besuchte uns der indische Prälat - jetzt als Vize-Vorsitzender der indischen Bischofskonferenz - in Dirmstein.

 

   

 

                         Bischof George Punnakottil beim Besuch unserer altrituellen Gemeinde im Sommer 2010, in Dirmstein

 

 

 Als die Eheleute 1995 nun nach Indien fuhren, übergab ihnen Abbè Arnette als Geschenk an den indischen Bischof eine Reliquie des maronitischen – also ebenfalls orientalisch-katholischen – Heiligen, Pater Charbel Machluf (1828-1898) die sich in seinem Besitz befand.

 

Bischof Punnakottil nahm die Reliquie von Pfarrer Arnette dankend an und händigte dem Ehepaar als Gegengeschenk für den Abbè eine Reliquie der erst wenige Jahre zuvor selig gesprochenen, syro-malabarischen Nonne Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis aus. Bischof Punnakottil hatte sie bei der Seligsprechung 1986 erhalten, in deren Vorfeld ihr Grab geöffnet und Reliquien entnommen worden waren. Es ist die kleine Knochenreliquie, die sich jetzt in der Stiftskirche Neustadt befindet.

 

                    

 

                                         Bischof Mar George Punnakottil, der uns die Reliquie der Hl. Alphonsa schenkte

 

Pfarrer Arnette und seine altrituelle Gemeinde wurden schon bald danach aus Frankenthal-Mörsch vertrieben und hatten keine feste Bleibe mehr, so daß die Reliquie auch keinen geeigneten Platz zur Verehrung fand. Pfarrer Arnette beließ sie bei dem Ehepaar und beauftragte es, das Heiligtum so lange aufzubewahren, bis seine Gemeinde ggf. einmal eine eigene Kirche habe und es dann dort zu verehren. So ist es nun geschehen. Inzwischen wurde die Selige Alphonsa 2008 von Papst Benedikt XVI. sogar heiliggesprochen, nachdem er nur wenige Monate zuvor mit seinem Motu Proprio „Summorum Pontificium“ unserer Messe des alten Ritus die rechtliche Rehabilitation verschafft hatte, wodurch wir schließlich auch eine eigene Kirche erhielten.

 

Im Sommer 2011 kam zu der Reliquie der Hl. Alphonsa noch eine des Seligen Kuriakose Elias Chavara (1805–1871) hinzu, eines syro-malabarischen Karmeliten, der in engstem Zusammenhang mit der Heiligen steht, aber auch mit unserem Anliegen, wie die nachfolgenden Ausführungen belegen werden. Diese Reliquie ist ein persönliches Geschenk von Pater James Madathikandam CMI, Vize-Postulator des Seligspechungsprozesses und Leiter des Chavara-Heiligtums in Mannanam, Indien, an unsere Gemeinde des alten Ritus, nachdem er von unserem Anliegen der Messzelebration „versus altare“ und unserem Besitz der Reliquie St. Alphonsa`s erfahren hatte. 

 

              

 

                                                  Die beurkundete Reliquie des seligen Kuriakose Elias Chavara

 

Beide Heilige sind – ohne unser eigenes Zutun, ohne sie vorher näher zu kennen und ohne Reliquien von ihnen erbeten zu haben – zu uns gekommen, was daher sicher im Willen Gottes liegt. Wir freuen uns darüber und sind sehr stolz darauf, in ihnen zwei ganz persönliche Gemeindepatrone zu besitzen, wobei St. Alphonsa die erste indische Heilige überhaupt ist.

 

                                                     Die Kirche Indiens

 

                                                

 

                                                                        St. Thomaskreuz der indischen Syro-Malabaren 

 

Um beide Heilige und die Verbindung mit uns zu verstehen, müssen wir einen Blick in die indische Kirchengeschichte werfen, die bei uns nahezu unbekannt ist. Mit Erstaunen werden wir feststellen, die Kirche Indiens ist älter als die Kirche Deutschlands und sie ist apostolischen Ursprungs. Als in Indien schon ein reges katholisches Gemeindeleben existierte, huldigte man bei uns noch dem Heidentum.

 

Nach der beständigen Ortstradition landete der Apostel Thomas um 52 in Muziris (Kodungallur), im heutigen Kerala, gründete entlang der Malabarküste sieben christliche Gemeinden und starb im Jahre 72 als Märtyrer in Mailapur bei Madras. Aus dieser Gründung entwickelte sich die Kirche Indiens lange bevor Europäische Kolonialmächte dort wirkten. Sie folgte dem ost-syrischen Liturgieritus. Es sind die heutigen Thomaschristen, die in einen größeren katholischen und einen kleineren autokephalen Teil zerfallen und in Südindien  einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung ausmachen.

Die katholische Kirche des lateinischen Ritus wurde in Indien erst 1329 mit Gründung der ersten lateinischen Diözese Quilon, durch Papst Johannes XXII. etabliert und erhielt großen Aufschwung mit der Eröffnung des indischen Kolonialzeitalters nach Landung der Portugiesen unter Vasco da Gama, 1498.

Die Thomaschristen unterstellten sich in Ihrer Gesamtheit dem Papst, mit dem sie nun, nach Jahrhunderten, durch die dort gelandeten Europäer, endlich wieder in Verbindung treten konnten. Beide unterschiedlichen Riten (Lateiner und Syrer) akzeptierten sich anfangs gegenseitig. Der Papst unterstützte auch die ost-syrischen Katholiken Indiens, doch die lateinischen Bischöfe, hauptsächlich Portugiesen, hintertrieben dies. Sie unterdrückten mit Hilfe der portugiesischen Kolonialbehörden den ost-syrischen Ritus und seine Bischöfe, verschleppten sie als verkappte Häretiker und Schismatiker und inszenierten 1599 ein Landeskonzil, die sogenannte Synode von Diamper. Auf ihr mussten die Syrokatholiken bei Androhung der Exkommunikation ihren ost-syrischen Messritus und ihre Traditionen weitgehend aufgeben und man unterwarf sie zwangsweise den lateinischen Bischöfen. Ein kleinerer Teil fiel daraufhin von der katholischen Kirche ab und wurde autokephal, der größere Teil, die heutigen Syro-Malabaren, hielt trotz  liturgischer und kultureller Vergewaltigung durch die Lateiner, in unverbrüchlicher Treue an der Einheit mit Rom fest. Rom war jedoch weit und der Nachrichtenaustausch benötigte Jahre. Von dort für die Thomaschristen entsandte Prälaten und Bischöfe wurden von den Kolonialherren abgefangen und verschleppt, der Papst falsch bzw. unvollständig, verzerrt und verspätet über wichtige Vorgänge informiert. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die Lateiner wie sie sich dort gegenüber den Thomaskatholiken verhielten, insbesondere ihre Bischöfe. Die Synode von Diamper hat man – nachdem ihre Beschlüsse 300 Jahre lang als unantastbar galten – im 20. Jahrhundert als Räubersynode entlarvt, da sie bzw. ihre Entscheidungen niemals von Rom bestätigt worden waren. Papst Leo XIII. löste die Syro-Malabaren 1887 aus der lateinischen Jurisdiktion heraus, Papst Pius XI. stellte am St. Thomastag 1923, nach Jahrhunderten der Unterdrückung, ihre ordentliche Hierarchie wieder her und Papst Pius XII. gab ihnen ihre angestammten Messgewänder und liturgischen Traditionen zurück, ebenso wie man ihnen erlaubte, nun auch außerhalb von Süd-Indien zu missionieren und Menschen für ihren Ritus zu gewinnen, was ihnen vorher untersagt war. Nun leben beide Riten in Indien friedlich nebeneinander und sind mit jeweils eigener Hierarchie ausgestattet, aber in der selben Bischofskonferenz zusammengefasst. Im syro-malabarischen Ritus ist die Volkszelebration generell verboten worden, nachdem verschiedene Bischöfe und Priester begonnen hatten, die moderneren Gepflogenheiten des lateinischen Nachbarritus zu kopieren. Die Änlichkeit der Geschichte der Syro-Malabaren Indiens mit unserer heutigen Situation im alten Ritus ist evident!

                                                   Die Heilige Alphonsa

                                           

                                                                       St. Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis

Ihre Geschichte ist schnell erzählt, denn sie trat nicht durch große Taten hervor, sondern lebte, betete, opferte und litt in der Verborgenheit ihres Klosters. Wie bei unserem Gemeindegründer Abbè Raymond Arnette, war die Hl. Theresia von Lisieux ihre Lieblingsheilige, die ihr auch erschien. Abbé Arnette war mit deren leiblicher Schwester, welche am Tag seiner Priesterweihe starb, in Briefkontakt.

Schwester Alphonsa Muttathupandathu, am 19. August 1910 in Kudamaloor, Kerala, geboren, wurde auf den Namen Anna getauft. Schon nach wenigen Wochen starb ihre Mutter. Ihre Tante, die nicht immer gut und gerecht zu ihr war, zog sie auf.

Anna fühlte sich zum Leben als Nonne berufen, die Tante wollte sie jedoch unbedingt verheiraten. Deshalb verbrannte sie sich selbst das Bein, um für den Bräutigam unansehnlich zu werden. 

1928 trat sie in die syro-malabarische Schwestern-Kongregation der Klarissen vom Dritten Orden des hl. Franziskus, zu Bharananganam/Kerala ein und legte am 12. August 1936 die ewige Profess ab.

Schon seit ihrem Ordenseintritt war sie kränklich und begann ihre Leiden für andere Menschen, für das Wohl der Mitschwestern und der Kirche aufzuopfern. Als sie im Dezember 1936 sehr krank wurde und man sie aus dem Kloster entfernen wollte, erschien ihr der 65 Jahre zuvor im Ruf der Heiligkeit verstorbene syro-malabarische Karmelit, Pater Kuriakose Elias Chavara und heilte sie. Bei der Krankheit litt sie auch an einem heftigen und schmerzhaften Beingeschwür, das über Nacht lediglich unter Zurücklassung einer Narbe verschwunden war, wie es die Oberin und andere Schwestern eidlich bezeugten.

Pater Chavara sagte Schwester Alphonsa weitere schwere Leiden voraus, die sie aus Liebe zu Christus tragen müsse. Zusammen mit ihm war in dieser Nacht auch Theresia von Lisieux, ihre Lieblingsheilige erschienen. Schwester Alphonsa lebte völlig zurückgezogen im Kloster. Sie betete und opferte sich auf. Zu den anderen Schwestern, auch zu denen die ihr missgünstig gegenüber standen, war sie sehr liebevoll und freundlich. Sie litt darunter dass sie von der Hilfe anderer abhängig war und wegen Brechanfällen zeitweise nur selten kommunizieren konnte. Dabei entwickelte sie die Gabe der Vorausschau von Ereignissen und der Herzensschau. James Kalacherry, der zuständige Diözesanbischof von Changanacherry, suchte öfter ihren Rat und erklärte ihr, dass er das Wohl des Bistums ihrem Gebet und ihrer Fürbitte anvertraue. Wie bei der Hl. Theresia war ihr Leben ein einziger Kreuzweg innerhalb des Klosters, wo sie am 28. Juli 1946 starb und auf dem nahen Friedhof begraben wurde. Völlig unspektakulär, wie sie lebte, wurde sie beigesetzt; weder Zeitung noch Radio hatten von ihrem Tod Notiz genommen. Die Oberin musste Schwester Alphonsas schriftliche Aufzeichnungen vor ihren Augen verbrennen, da sie nach ihrem Tod von niemanden beachtet werden wollte.

                

                                                                  Schwester Alphonsa auf dem Sterbebett, 1946 

Schon bald setzte jedoch ein großer Pilgerstom zum Grab der demütigen Nonne in Bharananganam ein und es wurden zahlreiche Gnaden und Wunder bekannt, die auf ihre Fürsprache eintraten. Die Verehrung wurde so stark, dass Kardinal Eugène Tisserant am 2. Dezember 1953 das Seligsprechungsverfahren für Schwester Alphonsa einleitete, das mit ihrer Beatifikation durch Papst Johannes-Paul II., am 8. Februar 1986 endete.

Die Wunder auf ihre Fürsprache rissen nicht ab und 1999 geschah ein Aufsehen erregender Fall, bei dem ein Junge an ihrer Grabstätte plötzlich von einem Klumpfuss geheilt wurde. Dieses Wunder wurde neben anderen beim Heiligsprechungsverfahren anerkannt, so daß Papst Benedikt XVI. am 12. Oktober 2008 Schwester Alphonsa Muttathupandathu, mit Ordensnamen Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis, in den Kanon der Heiligen aufnahm. Der nun völlig gesunde Junge war bei der Heiligsprechung in Rom anwesend. Indien ehrte die Ordensfrau mit der Ausgabe eines 5-Rupien Stückes. 

                          

                                               Indische 5-Rupien Münze zur Heiligsprechung von Schwester Alphonsa

Der Papst empfahl die erste indische Heilige als typisches Beispiel, wie man seine Leiden, seine Demütigungen und Verfolgungen für das Wohl die Kirche aufopfern und sich so mit dem Leiden Jesu vereinigen solle.

So sehen wir auch unsere Leiden, unsere Unannehmlichkeiten und unsere Demütigungen als Anhänger des alten Ritus innerhalb der Kirche an. Dazu gehören sicherlich für uns persönlich auch weite Anfahrtswege zur Hl. Messe und unsere zwar schöne, aber in der Winterzeit oft nicht angenehm temperierte Kirche. Wir wollen das alles nach dem Beispiel der Hl. Alphonsa aufopfern, zum Wohl der Kirche und uns dabei mit dem Leiden Jesu vereinigen, das wir bei jeder Hl. Messe  sakramental vergegenwärtigen. Möge uns St. Alphonsa, die auch "Passionsblume Indiens" genannt wird, als vom Himmel bestellte Patronin der Gemeinde des alten Ritus, in der Stiftskirche Neustadt, wo ihre Reliquie verehrt wird, viele Gnaden und Wunder erflehen, so wie sie an ihrem Grab ständig geschehen.

Heilige Alphonsa hilf uns allen, unsere Leiden und Demütigungen geduldig zu ertragen und mache sie fruchtbar zur Gesundung der Kirche! 

                                              Der Selige Pater Chavara

                                       

                                                                           Der selige Pater Kuriakose Elias Chavara

Ähnlich unerwartet wie die Reliquie der Heiligen Alphonsa kam auch die des Seligen Chavara zu uns. Er steht zu St. Alphonsa in engster Beziehung, denn er ist ihr mehrfach erschienen, hat sie 1936 geheilt und wurde mit ihr zusammen selig gesprochen. Sicherlich wird auch bei ihm bald die Heiligsprechung erfolgen und er ist ein ganz besonderer Patron für uns, da er es zu Lebzeiten mit der gleichen Problematik wie wir zu tun hatte und dadurch zur Heiligkeit gelangte.

Kuriakose Chavara wurde am 10. Februar 1805 als Kind der katholischen Thomaschristen Cyriakus Chavara und Mariam geb. Thoppil, in Koonammavu bei Alleppey, Kerala,  geboren. Am 29. November 1829 weihte ihn der damalige Apostolische Vikar von Verapoly, Erzbischof Maurelius Stabilini (1828-1831), in der St. Andreas Basilika von Arthunkal zum Priester.

Etwa zur gleichen Zeit beschlossen der Geistliche Thomas Palackal (1780-1841) und sein Verwandter Thomas Kathanar (1799-1846) ein klösterliches Leben nach dem Muster der altchristlichen Eremiten zu beginnen. Dieses Eremitenkloster wurde am 11. Mai 1831 mit Unterstützung des Apostolischen Vikars Msgr. Stabilini auf dem Berg Mannanam bei Alleppey gegründet und Kuriakose Chavara gehörte neben den beiden älteren Priestern – von denen einer sein früherer Lehrer war – zu den Gründern. Der daraus allmählich erwachsende Orden nahm später den Namen „Carmelites of Mary Immaculate“ (CMI) an und zählt heute zu den bedeutendsten Männerorden Indiens; 1833 wurde mit dem Kloster auch ein syro-malabarisches Priesterseminar verbunden.

    

                         Kloster Mannanam, Indien, Grabeskirche von Pater Chavara und Mutterkloster seines Ordens 

Die beiden originären Gründer starben 1841 bzw. 1846 und Pater Chavara war der letzte überlebende Mitgründer der Gemeinschaft. Als der Orden am 8. Dezember 1855 kanonisch errichtet wurde, ernannte man ihn zum 1. Oberen und er nahm damals auch den Ordensnamen „Kuriakose Elias of Holy Family“ an.

Bereits 1844 hatte der zuständige Apostolische Vikar von Verapoly Pater Kuriakose Chavara zu seinem Beauftragten für die ihm unterstellten Gläubigen des syrischen Ritus bestellt. Die Formung dessen Klerus lag weitgehend in seinen Händen.

1854 wurde der Italiener Bernardine Baccinelli OCD zum neuen Apostolischen Vikar von Verapoly ernannt. Hiermit begann für die syro-malabarischen Katholiken wieder eine schwierige Epoche. Angespornt durch seinen Eifer in der Organisation des kirchlichen Lebens und infolge eines übertriebenen Verlangens von Vereinheitlichung der liturgischen Formen, begann Baccinelli die unter seiner Jurisdiktion stehenden Thomaschristen dem lateinischen Ritus noch mehr anzugleichen als dies in der Vergangenheit ohnehin schon geschehen war. Er führte in ihrer ostsyrischen Liturgie beispielsweise römische Messkaseln und unbekannte Gebräuche wie den verpflichtenden Farbkanon der Paramente ein. Seine Maßnahmen riefen großen Unmut unter den katholischen Thomaschristen hervor. Die Situation verschärfte 1861 das Erscheinen eines ost-syrischen Bischofs namens Thomas Rocos aus dem Irak, den der mit Rom uniierte chaldäische Patriarch von Babylon, Joseph Audo nach Indien entsandt hatte um den Thomaschristen beizustehen. Dies geschah jedoch ohne Absprache mit Rom und Rocos trat überdies in Indien mit dem widerrechtlichen Anspruch auf, vom Patriarchen im Auftrag Papst Pius IX. gesandt zu sein, um die Thomaschristen zu regieren. Da er ihnen völlige Freiheit des angestammten Ritus und Befreiung von der Herrschaft des lateinischen Apostolischen Vikars versprach, entwickelte sich rasch ein Schisma. Die meisten katholischen Thomaschristen sagten sich vom Apostolischen Vikar Baccinelli los und unterstellten sich dem irakischen Bischof Rocos. Von 154 Gemeinden wechselten 86 vollständig auf seine Seite über, 30 teilweise. Lediglich 38 Gemeinden blieben der legitimen kirchlichen Autorität treu.

                                             

                                                                           Indische Briefmarke zur Seligsprechung, 1986 

Pater Kuriakose Chavara genoss unter den Thomaschristen großes Ansehen. Bischof Rocos bot ihm die Bischofsweihe an, falls er sich auf seine Seite stelle, was Chavara mit Hinweis auf die zu bewahrende Einheit der Kirche ablehnte. Er schrieb hingegen persönlich an Papst Pius IX., bat ihn um Klärung der Sachlage und definitive Weisung was er tun solle. Dieser antwortete ihm brieflich am 5. September 1861 und Pater Chavara stellte sich nachdrücklich hinter die erhaltenen römischen Weisungen. Trotzdem auch er die Latinisierung seines Ritus scharf mißbilligte, blieb er der legitimen kirchlichen Autorität treu und unterstützte den Apostolischen Vikar Bernhardine Baccinelli, der ihn daraufhin zu seinem Generalvikar für die syro-malabarischen Gemeinden, mit besonderen Vollmachten berief. Pater Chavara ist es zu verdanken, dass das Schisma nicht weiter um sich griff. Er bereiste im päpstlichen bzw. bischöflichen Auftrag jede einzelne Pfarrei und führte sie unter die Jurisdiktion des Apostolischen Vikars. Dann verhandelte er mit Bischof Rocos, Indien zu verlassen und überredete Erzbischof Baccinelli, dem Iraker, den er inzwischen exkommuniziert hatte, die Heimfahrt zu bezahlen. Dieser kehrte 1862 nach Mosul zurück, zumal ihn auch Patriarch Joseph Audo auf Anordnung des Papstes zurückbeordert hatte. Sowohl Audo als auch Rocos einigten sich mit dem Vatikan gütlich und das Schisma erlosch. Viele der von Bischof Baccinelli in Indien eingeführten liturgischen Veränderungen wurden aber erst 1957 unter Papst Pius XII. wieder rückgängig gemacht. Papst Pius IX. sprach Pater Chavara seine ausdrückliche Anerkennung bei der Vermeidung des drohenden Schismas aus und erließ 1872 über die gesamte Problematik die Enzyklika "Quae in Patriarchatu" in welcher unter den Kapiteln 4 und 5 der Fall ausführlich abgehandelt wird. Papst Pius IX. wollte Chavara auch zum Bischof weihen und als Apostolischen Vikar für die Thomaschristen einsetzen, was die Lateiner aber prompt wieder zu verhindern wussten. 

                               

                                     Pater Chavara predigt in den Gemeinden gegen das Schisma    

Kuriakose Elias Chavara war ein glühender Verehrer der Hl. Eucharistie und er verbrachte lange Stunden im Gebet vor dem Tabernakel. Er führte im syro-malabarischen Ritus die alljährliche, 40-stündige Anbetung des Heiligsten Altarsakraments als festen Brauch in den Pfarreien ein. Überdies war ein fruchtbarer theologischer Schriftsteller, der mehrere Bücher schrieb. In seinem Werk „Das Testament eines guten Vaters“ schrieb er u.a.: „Die Tage an denen wir niemanden einen Dienst erwiesen haben, sind nicht zu den nützlichen unseres Lebens hinzuzuzählen.“ Er pflegte selbst noch im fortgeschrittenen Alter ansteckende Kranke und kümmerte sich persönlich um Mittellose. Der Priester war aber auch ein Pionier der katholischen Pressearbeit. 1846 gründete er in Mannanam unter dem Namen „St. Josephs`s Press“ die erste katholische Druckerei im heutigen Kerala, die erstmals auch in der Landessprache Malayalam publizierte. Der Verlag besteht bis heute (2012) und rief 1887 auch die größte katholische Tageszeitung Südindiens ins Leben, die „Nazrani Deepika“, jetzt „Malyalam Deepika“ und die älteste, derzeit existierende Tageszeitung in der Sprache Malayalam.

   

                                                       Tod von Pater Chavara, im Kreis seiner Mitbrüder, 1871

Am 3. Januar 1871 starb Pater Chavara in Koonammavu, 1889 überführte man seine sterblichen Überreste nach Mannanam, dem Urkloster der Kongregation, nahe Alleppy. Dort ruhen sie noch heute und sein Grab ist zu einem stark frequentierten Wallfahrtsort geworden.

Am 3. Januar 1958 wurde vom Erzbischof von Changanacherry das Seligsprechungsverfahren für Pater Kuriakose Elias Chavara eingeleitet, das 1986 mit seiner Seligsprechung endete. 1987 ehrte ihn die indische Post mit der Herausgabe einer Briefmarke.

Aus der Graböffnung zu Mannanam, im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens, stammt unsere Reliquie Pater Chavaras in der Stiftskirche Neustadt. Es ist eine Körperreliquie 1. Klasse und besteht aus Kleinstpartikeln seines Leibes.

 

                  

                                                          Grab des seligen Kuriakose Elias Chavara, Mannanam.

    Links Pater James Madathikandam CMI, Vize-Postulator des Seligsprechungsprozesses, der uns die Reliquie schenkte 

Der Selige Chavara ist uns Vorbild in unserem Kampf für den außerordentlichen Ritus. Wie er bei der Verteidigung seines Ritus, stehen auch wir in unverbrüchlicher Treue zum Papst und zu den legitimen Bischöfen – auch wenn das zuweilen schwieriger ist, als einfach die „Freiheit“ des Handelns an sich zu reißen. Letztendlich hat sich sein Weg des Gehorsams durchgesetzt und ist seinem Ritus in Indien zum Segen geworden. Seine Gegner, welche die gleichen Ziele wie er hatten, sie aber "ad hoc" und gegen Rom verwirklichen wollten, sind alle gescheitert; ein kleiner Teil – die Mellusianer – sogar ins Schisma abgedriftet. Wie Pater Chavara hoffen wir in Treue zum Papst auf himmlische Hilfe und die völlige Freiheit unseres Ritus, die jedoch nur in Verbindung mit der legitimen kirchlichen Obrigkeit sinnvoll und gottgefällig ist.

Seliger Kuriakose Elias Chavara, begleite uns auf diesem schwierigen Weg und bitte für uns!  

 

Ein deutschsprachiges Buch über die Heilige Alphonsa ist beim Theresia Verlag Lauerz zu beziehen:

 

 

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