Fragen über Fragen ......

 

Fragen über Fragen ................

  

 

Auf dieser Seite sollen öfter gestellte Fragen zur außerordentlichen  Form des lateinischen Ritus beantwortet werden. Meist handelt es sich hierbei um auffällige Unterschiede zur neuen Liturgie und die Gläubigen fragen sich dann, warum es im „alten Ritus“ so und nicht anders ist. Vielen Lesern wird dies oder das geläufig sein, andere kennen die „tridentinische Messe“ erst kurze Zeit und verstehen manches daran nicht oder nur unvollkommen. Deshalb soll hier versucht werden, Antworten zu gegeben. Denn nur durch Aufklärung und Beseitigung von Zweifeln kann der Ritus verstanden und innerlich bejaht werden.

 

 

 

Warum steht der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde?:

 

 

Der Priester steht im „alten Ritus“ nicht mit dem Rücken zur Gemeinde, sondern er ist zusammen mit ihr, auf Gott ausgerichtet. Normalerweise finden wir den lebendigen Gott im Tabernakel des Hochaltares, falls er nicht zur Seite gesetzt wurde. Auch wenn der Tabernakel seitlich wäre, bleibt die gemeinsame Ausrichtung auf das Altarkreuz bzw. gegen Osten wichtig. Von Osten kommt das Licht und die Sonne  (ex orientem lux) und schon seit urchristlicher Zeit wird dies symbolhaft auch auf Gott und den wiederkehrenden Christus bezogen, den wir im Osten suchen und den wir am Jüngsten Tag von Osten her erwarten. Deshalb sind alle alten Kirchen mit dem Chor bzw. Altar (also mit der Blickrichtung von Priester und Volk) nach dem Osten ausgerichtet,  ja  in altchristlicher Zeit wurden sogar die Toten vorzugsweise mit Blick nach Osten bestattet, um bei der Auferstehung unmittelbar den von dort kommenden Herrn anzusehen. Die gemeinsame Ausrichtung auf Gott bzw. gegen Osten ist theozentrisch – stellt Gott ins Zentrum des Geschehens. Die gegenseitige, dialoghafte Ausrichtung  aufeinander in der neuen Liturgie ist humanozentrisch – stellt also den Menschen ins Zentrum des Geschehens. Sie erweckt den Eindruck von zwei Polen die im Dialog aufeinander ausgerichtet sind, statt gemeinsam auf Gott ausgerichtet zu sein. Die Zelebration mit dem Gesicht zum Volk kam erst 1968 auf und widerspricht jeglicher kirchlicher Tradition. Es ist heute nachgewiesen, daß es in der Kirchengeschichte - seit dem Urchristentum - niemals eine bewusste Volkszelebration gegeben hat.  Die zum Volk gerichtete Zelebration ist ein ernsthaftes Hindernis in der Ökumene mit allen orthodoxen und altorientalischen Kirchen, die darin ein Abweichen von der apostolischen Tradition sehen. Propagiert wurde diese Zelebrationsform erstmals von den neuzeitlichen Reformatoren wie Martin Luther, um das „Mysterium“ zu beseitigen und den Leuten zu zeigen, daß sich bei der Messe „nichts Besonderes“ ereigne. Im Gebet sind sowohl die Juden als auch die Muslime gemeinsam in einer Richtung auf Gott hin ausgerichtet und sogar der Hindu würde es niemals wagen, im Tempel der Gottheit den Rücken zuzudrehen.

 

 

Warum Latein als Kultsprache?:

 

Chinesischer Priester feiert 1958 die Hl. Messe in Tirol -- die Katholizität der lateinischen Kultsprache macht es möglich

 

Wenn der Gläubige an der Liturgie teilnimmt, muß es ihm sofort bewusst werden, daß er an einem mystischen Geschehen teilnimmt und Gott begegnet. Allein schon anhand der von der Straße und dem Alltagsleben unterschiedlichen liturgischen Sprache begreift er, daß er in eine andere Welt eingetreten ist. Weiterhin ist es biblisch überliefert, daß die Verwirrung der Sprachen wegen der Sündhaftigkeit der Menschen erfolgte – beim Turmbau zu Babel. In der Liturgie der Kirche wird dieses Ereignis symbolhaft umgekehrt. Christus hat uns erlöst und unsere Sünden auf sich genommen. Dadurch ist die Sprachverwirrung geheilt und wir alle loben Gott in der gemeinsamen liturgischen Einheitssprache – egal ob Deutsche, Amerikaner, Franzosen, Russen, Afrikaner, Chinesen oder Eskimos. Aus diesem Aspekt heraus kann man noch einen weiteren, triftigen Grund erkennen. Im modernen Zeitalter der fast grenzenlosen Mobilität ist es für eine weltumspannende, wahrhaft katholische Gemeinschaft wie unsere Kirche von entscheidender Wichtigkeit, daß ihre Mitglieder überall auf dem Erdball an einem Gottesdienst teilnehmen und diesen auch sofort mitfeiern und verstehen können. Unter Umständen nehmen wir am Sonntag noch im Bistum Speyer an der Messe teil und stehen nur Stunden später bereits in einer Dorfkirche an der indischen Malabarküste, wie es der Verfasser schon mehrfach erlebte. Wie froh ist man dann, dort in der Messe alles vertraut und verständlich vorzufinden, geeint durch das gemeinsame Band der liturgischen Kultsprache Latein. Trotzdem soll natürlich auch die Muttersprache im Verkündigungsteil des Gottesdienstes (Lesungen, Evangelium, Predigt) ihren berechtigten Platz einnehmen und auch bei den Kirchenliedern nicht zu kurz kommen. Aber die Muttersprache darf die liturgische Sprache niemals verdrängen und ersetzen. Das antike Römische Reich und seine einende Sprache waren notwendig um die Kirche auszubreiten. Gott ließ jenes außergewöhnliche Reich deshalb entstehen und bediente sich des Gebildes für seine Stiftung; nicht umsonst erhielt die Kirche von Anfang an den "römischen Guß", in ihren Traditionen, Institutionen und in Ihrer Sprache. Zudem ist Latein eine tote Sprache, mit der die Glaubenswahrheiten formuliert werden können, ohne den permanenten Veränderungen einer lebenden Sprachen zu unterliegen. Noch vor 40 Jahren beteten wir: "Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade... du bist gebenedeit unter den Weibern.." Das Wort Frau wurde vermieden um die Jungfräulichkeit Mariens auszudrücken. Heute - schon nach Ablauf weniger Jahre - erscheint uns der Ausdruck "Weib" befremdlich und negativ besetzt, was früher überhaupt nicht der Fall war. Dieses Phänomen verursacht allein die Weiterentwicklung unserer lebendigen, deutschen Sprache und es könnte beim Latein ein solcher Fall niemals eintreten. Für die Kirche, die in Jahrtausenden rechnet ist dies besonders wichtig.    

 

 Europäischer Priester zelebriert in einem indischen Dorf -- auch dies eine Frucht der gemeinsamen lateinischen Kultsprache

 

 

Warum werden Wandlung und Hochgebet still

gebetet?:

 

Das Hochgebet mit der Wandlung ist der zentrale Teil der Hl. Messe, das Geheimnis aller Geheimnisse. Himmel und Erde vereinigen sich in diesem Moment, Engel und Heilige umstehen den Altar auf dem sich Jesus seinem Vater als Opfergabe darbringt; der Heilige Geist senkt sich zur Wandlung auf die Gaben herab. In den meisten (auch katholischen) orientalischen Messriten tritt deshalb der Priester dabei hinter eine Bilderwand aus Holz (Ikonastase) oder es wird ein Vorhang zugezogen um die heiligsten Momente schützend zu verbergen. Es erinnert an das Allerheiligste im Tempel, das nur der Priester allein betreten durfte und an Abraham und Moses, die allein auf den Berg stiegen um Gott zu begegnen. Im lateinischen Ritus zieht sich der Priester nicht wirklich zurück, sondern er tritt symbolisch hinter den Vorhang oder die Ikonastase des Schweigens. Flüsternd vollzieht er das unfassbare Geheimnis, das „Mysterium Tremendum“, das Furcht und Zittern auslöst. Flüsterton und Stille unterstreichen die tiefe Ehrfurcht die jeden in diesem Moment erfasst. Bei dieser „Kanonstille“ soll der Gläubige all seine Bitten und Probleme, seine Gebete und Gefühlsregungen vertrauensvoll mit auf den Altar legen und sich innig mit dem dort ablaufenden Opfergeschehen vereinigen. Die Stille - ohne ständige Ansprache  durch den Priester - ermöglicht das wirkliche Eintauchen in das unergründliche Mysterium und die Möglichkeit der vollen Konzentration darauf. Es bedarf für einen Liebenden nicht vieler Worte, das Herz muß sprechen. „Ich sehe Gott an und er sieht mich an“, wie es der Bauer von Ars ausdrückte, als er von seinem Pfarrer nach dem Wortlaut seines Gebetes gefragt wurde. Maria Luise Thurmair reimte 1943 in einem Opferungslied den schönen Vers: „Erhebet das Gemüt, begreift was nun geschieht, der Tod des Herrn sich unter uns vollzieht.“ (Salve Regina, Lied Nr. 21) Und nicht weniger ergreifend formuliert es die Speyerer Domfestmesse von 1930, mit Blick auf das sich vor unseren Augen vollziehende „Mysterium Tremendum“: „Herr laß das Wunder geschehen, das wir in Demut erflehen; himmlische Scharen eilet hernieder, singet vereint mit uns Eure Lieder, ewig gepriesen sei Jesus der Herr, heilig, heilig, heilig ist er!“

 

 

Warum wird die Hl. Kommunion hier grundsätzlich nur kniend in den Mund gespendet?: 

 

 

Diese Form der Kommunionspendung ist die von der Kirche allgemein vorgeschriebene. Seit 1968 gibt es lediglich für einige Länder – auch für Deutschland – Ausnahmegenehmigungen, die erlauben, daß die Hl. Kommunion auch in die Hand der Gläubigen gespendet werden darf. Papst Benedikt XVI. ist inzwischen bei seinen Messen wieder zur Regelform der Mundkommunion zurückgekehrt. Da das von uns benutzte Missale von 1962 die Kommunionspendung in die Hand nicht kennt, bleiben wir in unseren Messen bei der überlieferten Form der Kommunionspendung in den Mund. Dies soll Gläubige die es in den letzten Jahren anders praktiziert haben oder es gar bei der Erstkommunion so lernten, keinesfalls diskriminieren oder gar beleidigen. Eine böse Absicht liegt ihnen dabei sicher fern und sie empfinden es einfach als normal. Es ist jedoch so, daß bei jeder Berührung der Hostie mit den Fingern immer Partikel davon verloren gehen und jeder Partikel ist ja Gott selbst – das darf man nie vergessen. Im alten Ritus muß der Priester von der Wandlung bis zur Handwaschung nach der Kommunionausteilung die Finger, welche die Hostien berührt haben, strikt geschlossen halten, damit ja keine Partikel verloren gehen, die sich evtl. zwischen seinen Fingern befinden könnten. Es würde daher nachgerade unserer Liturgie widersprechen, wenn der Priester so peinlich genau den Verlust von Partikeln vermeidet, die Gläubigen jedoch die konsekrierte Hostie einfach in die Hand empfangen, wo erst recht Partikel hängen bleiben. Durch den Kommunionempfang in den Mund ist die Gefahr des Verlustes von Partikeln minimiert. Ganz davon abgesehen kann der Priester nicht jeden Gläubigen überwachen, ob er die Hostie auch tatsächlich konsumiert. Es gibt gerade heutzutage immer wieder Fälle, wo Personen die Hl. Hostie nicht konsumieren, sondern sie einstecken, um sie zu missbrauchen. Das geht vom einfachen „Jungenscherz“, bis zum Anbieten konsekrierter Hostien über Internetplattformen, ja sogar bis hin zu Blasphemie und  Satanismus. All das ist durch die Kommunionspendung in den Mund fast gänzlich auszuschließen.

Weiter ist es vom Standpunkt der EHRFURCHT, die uns ja leider weitgehend abhanden gekommen ist, durchaus bedeutsam, wenn ich mich vor Gott beuge und ihn nicht stehend mit der Hand ergreife. Wir sollen Gott nicht „in gleicher Augenhöhe“ begegnen, sondern anbetend und in dem Bewusstsein unserer Abhängigkeit von ihm, als seine Geschöpfe. Daran werden die meisten Leute zwar beim Kommunizieren nicht denken, aber die Form und die Haltung wirken unterbewusst. Unterbewusst ist auch eine zweite Wirkung. Wenn der Gläubige sich an der Kommunionbank knien und Handlungen vollziehen muß, die schon rein äußerlich seinen Glauben demonstrieren, so ist dies förmlich eine Barriere vor allzu unbedachtem Kommunionempfang.

 

 

Warum wird vor der eigentlichen Messfeier das Weihwasser ausgeteilt?:

 

 

 

Vor den feierlichen Sonntagsmessen wird im außerordentlichen Ritus vom Priester das Weihwasser ausgeteilt, indem er durch die Kirche schreitet und die Gläubigen damit besprengt. Dabei singt man zur meisten Zeit das "Asperges me..." ("Besprenge mich..."), zur Osterzeit aber das "Vidi Aquam" ("Ich sah Wasser..."). Die Austeilung des Weihwassers ist ein sehr bedeutungsvoller Brauch. Er soll an die eigene Taufe erinnern, in der wir von der Sünde reingewaschen werden. So lautet auch der übersetzte Text des "Asperges me": "Besprenge mich mit Ysop und ich werde rein, wasche mich und ich werde weißer als der Schnee..." In der Osterzeit heißt es: "Ich sah Wasser hervorkommen aus der rechten Seite des Tempels und alle zu denen dieses Wasser drang wurden rein..."; im übertragenen Sinne auch dies ein Hinweis auf die Taufe, in Verbindung mit dem österlichen Geschehen, denn aus der Seitenwunde Christi entspringen die Sakramente, indem Blut und Wasser herausfliessen, wie es die Kirchenväter formulieren. Die Austeilung des Weihwassers entfaltet  überdies aber auch eine kraftvolle  Wirkung, um die Kirche und die Gläubigen beim Beginn der Liturgie vor dem Einfluß der bösen Geister zu schützen, bzw. diese  zu vertreiben. Selbst der Volksmund erkennt die Tatsache an, daß manche Menschen gewisse Dinge so sehr fürchten, "wie der Teufel das Weihwasser". Nicht zuletzt kommt das zu Boden gesprengte Weihwasser auch der "leidenden Kirche", also den Armen Seelen im Läuterungsort (Fegefeuer) zugute, für die es Trost und Balsam zugleich ist. Deshalb  werden ja am Allerseelentag die Gräber der Toten damit besprengt und der Priester  betet in der Beerdigungsliturgie, beim  Besprengen des Sarges: "Mit himmlischem Tau erquicke deine Seele Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist."  

 

 

 

Warum beugt sich der Priester bei der Wandlung auffällig tief auf den Altar?:

 

 

 

Bei der Wandlung beugt sich der Priester im alten Ritus tief auf den Altar, ja fast könnte man sagen, er legt sich darauf. Der Priester vollzieht in der Hl. Messe das Kreuzesopfer Christi, "in Persona Christi". Das heißt, er wird praktisch zu Christus. Man sagt auch, er ist in diesem Moment ein "alter Christus", ein "zweiter Christus". Jesus bedient sich in der Messe - die das reale, wenn auch unblutige Kreuzesopfer ist, das ein für alle mal auf Golgotha stattfand und lediglich sakramental vergegenwärtigt wird - der Person des Priesters. Er bedient sich seines Körpers, seiner Hände und seiner Stimme. Es handelt jedoch Christus selbst, der sich seinem Vater aufopfert. Der Priester, als "alter Christus", legt sich quasi als Opfer selbst auf den Altarstein. Dies symbolisieren die tiefe Hinabbeugung, das "Legen" auf den Altar, im Augenblick der Wandlung. Meist wird diese Symbolik noch unterstrichen durch ein Kreuz, das der Priester aufgenäht oder aufgestickt auf dem Rücken des Messegewandes trägt. So sieht es bei der Wandlung förmlich aus, als liege das Kreuz auf dem sich opfernden Priester, wodurch wir an den Ernst und die Dimension des Geschehens als wahres Kreuzesopfer erinnert werden. Gleichzeitig berühren die Messdiener - als "Erstlinge" der mitfeiernden Gemeinde - in diesem zentralen Augenblick das Messgewand, was symbolisch ausdrückt, wie der Gnadenstrom des Opfergeschehens auf alle überfließt und sich allen Gläubigen mitteilt. Der Priester - das Werkzeug - hat in diesem Augenblick "kein Gesicht". Gott allein handelt! Dies kommt auch durch die Ausrichtung des Zelebranten sehr deutlich zum Ausdruck. Er nimmt sich zurück bis zur "Unkenntlichkeit", übergibt sich Gott als Werkzeug und läßt ihn handeln.