Historische Streifzüge

 

 

Der Speyerer Dom vor der Renovierung 1960

Historische Streifzüge  

Auf dieser Seite sollen in lockerer Reihe bedeutende Katholiken unserer näheren Heimat vorgestellt werden. In einer Zeit in der die Kirche fast täglich in der öffentlichen Meinung herabgesetzt, verspottet, fast könnte man sagen als „abartig“ hingestellt wird, tut es Not, einmal an herausragende Männer und Frauen unserer heimatlichen Kirchengeschichte zu erinnern, die zwar oftmals vergessen, deshalb aber nicht weniger bedeutsam sind. Sie waren Stützen von Kirche und Gesellschaft, als diese noch weitgehend intakt waren. Die heutige Gesellschaft lehnt, oft bis in die Kirche hinein, die Werte ab, für die diese Vorbilder stehen. Gerade deshalb ist es wichtig, an solche Menschen unserer Heimat zu erinnern, sie zu uns sprechen zu lassen und sich an ihnen zu orientieren, damit sie – durch uns –  auch in unserer heutige Zeit Gutes bewirken können. Die meisten der hier Genannten gehören sicher zu jenen, die bereits ins Paradies eingegangen sind und die wir als unbekannte Heilige am Festtag Allerheiligen feiern und anrufen dürfen. Offiziell anerkannten Heiligen und Seligen unserer Heimat soll eine eigene Seite gewidmet werden. Die vorliegende Zusammenstellung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und sie wird auch laufend ergänzt werden.

Zusätzlich zu den bereits hier eingestellten Persönlichkeiten werden direkt  nachfolgend weitere LINKS zu Wikipedia-Artikeln angeboten, die bedeutende Katholiken aus unserer Heimat behandeln. Man kann den jeweiligen Artikel durch einfaches Anklicken des LINKS  aufrufen.  Die Bilder in den Wikipedia-Artikeln werden vergrößert angezeigt sobald man auf sie klickt. Da es bei Wikipedia mittlerweile viele entsprechende und gute Artikel gibt ist dieses Verfahren einfacher, da die Daten/Fotos dann nicht nochmals auf dieser Seite hochgeladen werden müssen. Es werden in unregelmäßigen Abständen immer wieder neue LINKS am Ende der Liste angefügt:   

 

Bedeutende Katholiken unserer Heimat

 

Jakob Weis – Wikipedia Ein beispielhafter Priester unserer Diözese, der sich als Militärpfarrer freiwillig mit seinen Soldaten in Gefangenschaft begab; der Großonkel unseres Dirmsteiner Zelebranten, Prälat Dr. Norbert Weis.

 

Guido Benedikt BeckWikipedia  Ein Pfälzer Kapuzinerbischof und Indianermissionar aus Ramberg. 

 

Wilhelm CaroliWikipedia  Bekennerpriester aus der Diözese Speyer, im KZ Dachau umgekommen.

 

Philipp von Flersheim – Wikipedia  Bedeutendster Speyerer Bischof der Reformationszeit. 

 

Eduard Rottmanner – Wikipedia  Frommer und jung gestorbener Speyerer Domkapellmeister der Romantik, schenkte seine Kompositionen unserem Bistum.

 

Joseph Eduard Konrad Bischoff – Wikipedia Speyerer Priester und Bestsellerautor im 19. Jahrhundert

 

Franz MattWikipedia Dezidiert katholischer Kultusminister von Bayern, aus dem südpfälzischen Offenbach stammend; vereitelte 1923 den Hitlerputsch.

 

Jakob Schwalb – Wikipedia Bekennerpriester gegen das NS-Regime, aus der Diözese Speyer, starb an seinen Mißhandlungen.

 

Otto HuberWikipedia Speyerer Missionspionier in Nordafrika.

 

Jakob Friedrich Bussereau – Wikipedia Ordensstifter, Behindertenseelsorger, wird auch der Hl. Vinzenz von Paul des Bistums Speyer genannt.

 

Karl Christian Weber – Wikipedia Bekennerbischof gegen den Kommunismus in China, aus der Diözese Speyer stammend.

 

Theodor Pfülf – Wikipedia Regierungspräsident der Pfalz und gläubiger Katholik, holte 1930 persönlich das Gnadenbild "Patrona Spirensis" vom rechten Rheinufer ab.

 

Ludwig Nieder – Wikipedia Deutschlandweit bekannter Arbeiterseelsorger aus dem Bistum Speyer, wird auch als "Adolf Kolping des 20. Jahrhunderts" bezeichnet. 

 

Peter Joseph Baltes – Wikipedia  Engagierter US-Bischof des 19. Jahrhunderts, aus der Diözese Speyer.

 

Sigmund Joseph Zimmern – Wikipedia Jüdischer Konvertit, Historiker, Landtagsabgeordneter und Domkapitular in Speyer.

 

Franz Vogel (Priester) – Wikipedia Pfälzer Kaplan, im Ruf der Heiligkeit gestorben, ging als Sühne für einen abgefallenen Mitbruder ins Kloster und wurde Minorit.

 

Hermann Knoll – Wikipedia Offizier und Schwerst-Kriegsbeschädigter des 1. Weltkriegs aus Ludwigshafen, ließ sich trotz Behinderung zum Priester weihen, wurde Spiritual der Hildegardisschwestern und erlag schließlich seinen alten Wunden. 

 

Eugen Jäger – Wikipedia Speyerer Reichstagsabgeordneter, Verleger des Bischöflichen Stuhles. 

 

Johann Jakob Humann – Wikipedia Mainzer Bischof, zuvor Bistumsverweser von Speyer, sehr verdienstvoll bei der Wiedergründung unserer Diözese, 1817

 

Joseph Schwind – Wikipedia Domkapitular aus Schifferstadt, Seelenführer der Hl. Edith Stein.

 

Daniel Bonifaz von Haneberg – Wikipedia Sprachgenie und heiligmäßiger Speyerer Bischof.

 

Jakob Rebmann – Wikipedia Jesuit, Indianermissionar aus Speyer

 

Aloys Weisenburger – Wikipedia Priester, Prediger und Kalendermann aus St. Martin.

 

Ludwig Maria Hugo – Wikipedia Bischof von Mainz, zuvor Regens des Speyerer Priesterseminars, aus der Südpfalz stammend, strenger NS-Gegner.

 

Wilhelm Molitor – Wikipedia Speyerer Domkapitular Schriftsteller und Dichter.

 

Hans Langmantl – Wikipedia Katholischer Laie aus der Diözese, leistete Widerstand gegen das NS-Regime.

 

Bernhard Magel – Wikipedia Priester und Kirchenbauer in Neustadt, einer der bedeutendsten Speyerer Priester des 19. Jahrhunderts.

 

Franziskus von Bettinger – Wikipedia Landstuhler Schmiedesohn und Kardinal-Erzbischof von München.

 

Bruno Würschmitt – Wikipedia Speyerer Domkapitular und Naturkundler, Gründungsmitglied der Pollichia.

 

Philipp HammerWikipedia Opfer des Kulturkampfs und Pfälzer Katholikentagsaktivist.

 

Jakob Hubert Blenk – Wikipedia Erzbischof von New Orleans, aus Edenkoben stammend.

 

Heinrich Hartard von Rollingen – Wikipedia Hervorragender Speyerer Bischof und Retter des Domes.

 

Ingbert Naab – Wikipedia Pfälzer Kapuziner, Kämpfer gegen die NS-Ideologie,  Freund und Verehrer von Therese Neumann in Konnersreuth.

 

Maria Joseph Weber – Wikipedia Schriftsteller und Spiritanersuperior in Speyer.

 

Anton Fooß – Wikipedia Feldgeistlicher und Initiator der Pfälzer Katholikentage.

 

Benedikt Menges – Wikipedia Amerikanischer Benediktinerabt aus der Nordpfalz.

 

Ludwig Stamer – Wikipedia  Priester aus Ludwigshafen, Verfasser der mehrbändigen "Kirchgengeschichte der Pfalz".

 

Joseph Maria Ruthig – Wikipedia Provinzial der Süddeutschen Minoritenprovinz, Gründer des Klosters Maria Schutz in Kaiserslautern, Feldpater in der Türkei, 1914-18.

 

Thaddäus Stahler – Wikipedia Würzburger Domkapitular und langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Klerusverbandes; aus Neustadt-Geinsheim. 

 

Pallas Spangel – Wikipedia Priester aus unserer Neustadter Stiftskirchengemeinde, Rektor der Universität Heidelberg, Pfälzer Vizekanzler.

 

Irmengard von Oettingen – Wikipedia Ahnfrau aller heute noch existierenden Wittelsbacher und Löwensteiner, wurde als Witwe Dominikanerin zu Worms, wo sie als Ordensschwester 40 Jahre in großer Frömmigkeit wirkte. 

 

Rucker von Lauterburg – Wikipedia Domherr in Speyer, Rektor der Universität Leipzig, führte im Speyerer Dom den regelmäßigen Gesang des "Salve Regina" ein, ebenso den Bistumsbrauch der Salve-Andacht am Samstagabend. 

 

Job Vener – Wikipedia Priester und Offizial im Bistum Speyer, bedeutender Reformer, Berater und Jurist der Pfälzer Kurfürsten, Konzilsteilnehmer in Konstanz. 

 

Alexius von Speyer – Wikipedia Pfälzer Kapuziner und engster Mitarbeiter des Hl. Fidelis von Sigmaringen.

 

Jakob Baegert – Wikipedia Jesuitenmissionar in Kalifornien, als Emeritus Seelsorger an der Stiftskirche in Neustadt.

 

Louise von Sturmfeder – Wikipedia aus Dirmstein im Bistum Speyer abstammende Erzieherin Kaiser Franz Josephs von Österreich.

 

Johann Reinhard Ziegler – Wikipedia Jesuit aus Edenkoben, Astronom, Mathematiker, Rektor der Universität Mainz und Berater dreier Kurfürsten.

 

Franz Trentel – Wikipedia Jesuitenpater aus Neustadt, berühmter Astronom.

 

Luitpold Baumblatt – Wikipedia Jüdischer Konvertit und Buchautor im Bistum Speyer.

 

Jakob Brenneisen – Wikipedia Bayerischer Landtagsabgeordneter und katholischer Aktivist in der Nordpfalz. 

 

Michael Frey – Wikipedia  Speyerer Priester, Historiker und Heimatkundler.  

 

 

  

 Bischof Nikolaus von Weis, der bedeutendste Speyerer Oberhirte des 19. Jahrhunderts

 

 

Bischof Nikolaus von Weis soll der Erste sein, der in dieser Reihe erscheint, da er der bedeutendste Speyerer Oberhirte des 19. Jahrhunderts war und wir stolz darauf sind, seinen direkten Verwandten, den H.H. Generalvikar Dr. Nobert Weis, der vom Bruder seines Großvaters abstammt, zu unseren regelmäßigen Zelebranten zu zählen. Sicher dürfen wir uns deshalb auch der besonderen Fürsprache des großen Bischofs erfreuen. 

 

Wegen seiner sprichwörtlichen Gastfreundschaft und seiner Mildtätigkeit, bezeichnet ihn der Speyerer Priesterschriftsteller Conrad von Bolanden 1864 in seinem Roman „Die Aufgeklärten“ als den „Gastwirt zum Goldenen Kreuz, welchen die Armen ihren Vater nennen.“ Seine Zeitgenossen sagten auch des „Schäfers armer Sohn“ zu ihm, denn er wurde am 8. März 1796 auf dem Schönhof bei Rimlingen/Lothringen, in ärmlichen Verhältnissen, als Sohn des Schäfers Martin Weis und seiner Frau Maria Magdalena geb. Ries geboren. Nach dem frühen Todes des Vaters zog die Witwe mit ihren Kindern, in die saarpfälzische Heimat nach Altheim zurück. Nikolaus empfängt am 27.7.1808 das Sakrament der Firmung, welches ihm Bischof  Joseph Ludwig Colmar von Mainz spendet. Diese Begegnung prägt ihn für sein Leben und Colmar war ihm „von diesem Augenblick an das Ideal eines Bischofs“. Im Herbst 1811 wird Weis in das bischöfliche Klerikalseminar zu Mainz aufgenommen und erhält dort 1818 die Priesterweihe. Weis bekam eine Professur an der Lehranstalt des Seminars und begründete zusammen mit seinem lebenslangen Freund und Mit-Alumnen Andreas Räß, dem nachmaligen Bischof von Straßburg, die Zeitschrift „Der Katholik“; sie diente der „Belehrung und Warnung der Freunde und Feinde der katholischen Kirche“ und fand über ein Jahrhundert hinweg Leser. Weiteren schriftstellerischen Ambitionen und seelsorgerischer Tätigkeit als Pfarrer von Dudenhofen (1820-22),  folgte am 22.Juni 1822 – zusammen mit seinem Freund und Mitstudenten Johann Jakob Geissel –  die Berufung ins Speyerer Domkapitel, wo er 1837 zum Domdekan und unter Geissel, der inzwischen Bischof von Speyer geworden war, schließlich zum Generalvikar anvancierte.

 

Am 23. Mai 1842 ernannte Papst Gregor XVI. den bisherigen Generalvikar und nunmehrigen Bistumsverweser Nikolaus Weis zum Bischof von Speyer, als Nachfolger von Johann Jakob Geissel, der als Erzbischof (später Kardinal) nach Köln berufen worden war. 1855 wurde Nikolaus Weis geadelt. In seiner bischöflichen Amtszeit erschienen ein neues Gesangbuch, eine neue Agende sowie ein neuer Katechismus des Bistums Speyer. Das Diözesanblatt „Der christliche Pilger“ wurde 1848 begründet und ist somit die älteste noch existierende katholische Zeitung in Deutschland. Außerdem sorgte sich der Bischof um die Wiederbelebung von Wallfahrten, Bruderschaften, Volksmissionen und Klöstern (z.B. Oggersheim), Gründung bzw. Ansiedlung von Schwesterngemeinschaften, und um den Aufbau eines katholischen Schullehrerseminars unter Leitung des eifrigen Domkapitulars Peter Köstler aus Grünstadt. Das Bischöfliche Konvikt in Speyer geht auf Weis‘ Initiative zurück. Auch bei der Instandsetzung des Speyerer Domes war der Bischof sehr engagiert. Für die Freskenkunst Johann Schraudolphs war er begeistert und verfasste mehrfach Hirtenbriefe über Inhalt und Bedeutung der Gemälde, wenn wieder ein Zyklus der Domausmalung fertiggestellt war. Unermüdlich bereiste er sein Bistum. Papst Pius IX. schätzte ihn so sehr, daß er bereits 1865 über Fragen des geplanten Konzils (1869/70) gehört wurde. Schon im Winter 1852/53 war Nikolaus von Weis todkrank, erholte sich aber wieder. Ab Oktober 1867 litt er häufig an Brustschmerzen, Husten und Fieber und seit einer Erkältung die er sich am 4. August 1868 in der Annweiler Kirche zuzog war der Oberhirte bis zu seinem Tod permanent krank. Am 11. April 1869 feierte er anlässlich des goldenen Priesterjubiläums Pius IX. sein letztes Pontifikalamt im Dom, vom 12. Juli an war er bettlägerig. Bischof Weis starb am 13.12.1869 in Speyer und wurde am 15.12. als erster Bischof des wiedererrichteten Bistums im Dom beigesetzt. Domkapitular Becker hielt bei der Beerdigung den Nachruf auf den Toten. Dabei erinnerte er an einen der Lieblingssätze des Verstorbenen:„Wer etwas Gutes wirken will, muß alle Mühe und alle Sorge für sich behalten und die Ehre anderen lassen!“ Die Leichenpredigt schloß mit den Worten: „Im fernsten und ärmsten Dörfchen werden die Kinder die ihn einmal gesehen haben, noch bis in ihr höchstes Alter an ihn sich erinnern und werden glauben, jeder Bischof müsse so aussehen wie er. So vollkommen war das Bild und das Wesen des Hingeschiedenen.“ Neben Straßen in verschiedenen Pfälzer Orten sind nach ihm u.A. 2 Schulen in Speyer, sowie eine weitere Schule, das Caritas-Altenzentrum und das Diözesan-Waisenhaus in Landstuhl benannt, welch letzteres ihm sein Enstehen verdankt.  

Nikolaus von Weis – Wikipedia 

 

 

 

Der Maler Edward von Steinle gab 1864, in seinem berühmten Werk "Landpfarrer trägt das Viaticum übers Gebirge", dem Priester die Gestalt und die Gesichtszüge des Speyerer Bischofs Nikolaus von Weis. 

 

Joseph Alois Bach, ein Pfälzer Streiter für die Unabhängigkeit des Papstes

 

 

 

Nachdem die Ereignisse um die italienische Einigung und die Besetzung großer Teile des Kirchenstaates 1860 kumulierten, zogen Freiwillige aus aller Welt nach Rom um dem Papst beizustehen. Neben Adeligen und Militärs befanden sich darunter auch viele einfache Menschen, oft Studenten, Bauern und Handwerker, die um des Rechtes und der guten Sache willen auszogen. In Deutschland kamen diese Freiwilligen – „Kreuzfahrer“ genannt – hauptsächlich aus dem süddeutsch-katholischen Raum, aus dem Rheinland und aus Westfalen.

 

Es wird nur ein einziger Pfälzer überliefert, der dazumal ebenfalls als Soldat nach Rom eilte; Joseph Alois Bach aus Klingenmünster. Dort wurde er am 15. Mai 1838 als Sohn des Einnehmers Nikolaus Bach und seiner Ehefrau Magdalena geb. Hauck geboren. Vater Bach war aus Mombronn (heute Montbronn) in Lothringen eingewandert, die Mutter, eine Gastwirtstochter, stammte aus Rodalben. Als der spätere Papstsoldat 5 Jahre zählte, zog die Familie nach Rülzheim, wo der Vater über 30 Jahre lang als Einnehmer amtierte und zu den aktivsten Mitgliedern der kath. Kirchengemeinde gehörte. Joseph Alois Bachs Bruder Otto war Priester der Diözese Speyer, zuletzt mit dem Titel eines Geistlichen Rates. Als er selbst unter den gelb-weißen Fahnen in Rom diente, wirkte dieser u.A. in Landstuhl, Münchweiler, Grünstadt und Trippstadt. Über München und Innsbruck reiste der 22-jährige Pfälzer 1860 nach Italien. Dort wurde die päpstliche Armee gerade reorganisiert und u.A. ein Zuavenregiment nach französischem Muster aufgestellt. Bei diesen Zuaven trat Joseph Alois Bach ein, und nahm schon im Herbst 1860 an den Kampfhandlungen zur Verteidigung des Kirchenstaates teil, deren bedeutendste die Schlacht bei Castelfidardo, am 18. 9.1860 war.    

 

1867 brachen die Italiener unter Garibaldi erneut in den Kirchenstaat ein und schürten Aufstände in Rom. Die päpstliche Streitmacht war in Kämpfe gegen den äußeren und den inneren Feind gleichzeitig verwickelt.  Im Spätsommer 1867 tat sich Joseph Bach als Unteroffizier der 4. Kompanie hervor, als er nachts eine 12 Mann starke Aufklärungsabteilung aus dem römischen Stadttor San Giovanni hinausführte, wo ein zurückkehrender Reiter von einer Freischärlerbande überfallen worden war. In der gleichen Zeit nimmt er mit Leutnant van Erp an einer nächtlichen Patrouille teil, wobei er als einer der „kühnsten Unteroffiziere der Zuaven“ bezeichnet wird. Danach muß er zum Feldwebel befördert worden sein, denn als solcher rückt er Anfang Oktober mit seiner Truppe an die Nordgrenze des Kirchenstaates um die eingedrungenen Italiener zu bekämpfen. Am 13. Oktober sollte das befestigte und auf einer mit Weinbergen bewachsenen Anhöhe liegende Dorf Monte Libretti genommen werden. Entgegen ersten Annahmen war es von Garibaldis „Rothemden“ stark besetzt. Bachs Kompanie – 90 Mann – griff gegen Abend an. Nach einem kurzen Vorpostengefecht kam es zu erbittertem Nahkampf, da die Papstsoldaten bis zum Festungstor stürmten und sogar in das Dorf eindrangen. Beide Führer der Kompanie fielen. Die zahlenmäßig unterlegenen Zuaven kämpften wie die Löwen und wurden schrecklich dezimiert. Joseph Bach riß selbstständig die Initiative an sich, übernahm das Kommando und feuerte seine Kameraden rastlos zum Kampfe an, bis er die Unmöglichkeit des weiteren Vordringens einsah. Schließlich sammelte er die Truppe in einem Haus, hart an der Stadtmauer, verschanzte sich dort und leistete die ganze Nacht erbitterten Widerstand, ständig bedroht von der vielfachen Übermacht des Gegners. Am Morgen zählte er neben vielen Toten und Verwundeten noch 16 kampffähige Männer, stellte jedoch überrascht fest, daß der Feind sich – offenbar infolge der heftigen Gegenwehr –  unerwartet zurückgezogen hatte. Erst jetzt traf sein Bataillon zur Unterstützung ein. Als Bach Meldung machte, wurde der Bataillonschef Oberstleutnant Athanasius Baron de Charette vom Mut der führerlosen Schar so sehr ergriffen, daß er salutierend seinen Säbel vor ihr senkte und das ganze Bataillon an den 17 nächtlichen Verteidigern des Monte Libretti vorbeidefilieren ließ. Er veranlasste, daß Joseph Alois Bach, per Telegramm, noch auf dem Schlachtfeld zum Offizier befördert und mit dem Ritterkreuz des St. Silvesterordens ausgezeichnet wurde. In der Publikation „Die Streiter für den apostolischen Stuhl im Jahre 1867“ (Verlag für Kunst und Wissenschaft, Frankfurt, 1867) zitiert der Verfasser, Pater Andreas Niedermayer, einen Augenzeugen mit den Worten: „Sergeantmajor Joseph Bach sah aus, wie im Blute gebadet, obgleich er selbst nicht die geringste Schramme hatte. Tags darauf konnte er an seine Eltern in der Bayerischen Rheinpfalz telegraphieren: ‚Seppel wohl und gesund, auf dem Schlachtfeld Offizier geworden.’ “ In der Heimat veranstalteten die Pfälzer Katholiken daraufhin eine Sammlung und stifteten dem berühmten Landsmann in päpstlichen Diensten einen wertvollen Ehrensäbel.

 

Bei der Auflösung des Kirchenstaates im Jahre 1870 kehrte auch Joseph Alois Bach als päpstlicher Oberleutnant z..D. (zur Disposition) in die Heimat zurück Er hatte in Rom geheiratet; seine Frau hieß Emma Glanzmann und stammte aus Baden. Aufgrund ausgezeichneter Französischkenntnisse beamtete man ihn als Einnehmer im frisch angegliederten Reichsland Elsaß-Lothringen. Dort wirkte er beruflich in Molsheim, Hagenau und in Metz, wo er 1907 als kaiserlicher Rechnungsrat in Pension ging. Seine Tochter Maria war Ordensschwester in Landstuhl. Als Komtur des Piusordens in den römischen Adelsstand erhoben, starb Bach am 7. Januar 1912 und wurde auf dem Friedhof seines letzten Wohnortes, Metz-Montigny, beerdigt. Oberstudienrat Jakob Knauber aus Eisenberg, recherchierte aus heimatgeschichtlichen Gründen und veröffentlichte 1932 eine kleine Broschüre über ihn. Der zeitgenössische Schriftsteller Philipp Wasserburg – alias „Philipp Laicus“ – aus Mainz, erwähnt den Pfälzer 1873 mehrfach in seinem 2-bändigen Werk „Silvio, ein Roman aus den Tagen von Mentana“ und setzte ihm damit schon zu Lebezeiten ein literarisches Denkmal.

 

   

 Bachs Ehrentag. Das Gefecht der päpstlichen Zuaven auf dem Monte Libretti, 13. 10.1867 

Webseite des Traditionsverbandes ehemaliger päpstlicher Zuaven: Zuaven Regiment Leuk

Museum der holländischen päpstlichen Zuaven mit Bildergalerie (in den Unterpunkten kann unter "Other languages" auch ein deutscher Text ausgewählt werden): 

Stichting Nederlands Zouavenmuseum

 

Pater Theodor Schneider S.J. aus Geinsheim, erster deutscher Missionar in Nordamerika  

 

Die von Pater Theodor Schneider gebaute Missionskirche in Bally, Pennsylvanien und sein Grab in der Kirche

 

Der bedeutende Jesuitenmissionar zählt zu den großen Gestalten der frühen katholischen Kirche in Nordamerika. Dort, wo er 23 Jahre lang als eifriger Missionar segensreich gewirkt hat, besonders in der von ihm gegründeten Pfarrei, der Most Blessed Sacrament Parish in Bally (früher Goshenhoppen), ist die Erinnerung an ihn bis heute lebendig.

Theodor Friedrich Schneider wurde am 9. April 1703 in Geinsheim geboren. Seine Eltern waren Georg Schneider (Schultheiß, bischöflicher Einnehmer und Zehntverwalter) und Maria Elisabeth geb. Appel.

  • Von 1714 bis 1718 besuchte er das Jesuitengymnasium in Speyer.
  • 1721 wurde er Novize der Gesellschaft Jesu (Jesuiten). Er wirkte an verschiedenen Gymnasien der oberrheinischen Jesuitenprovinz als Magister.
  • Um 1732 / 33 empfing er die Priesterweihe.
  • Ab 1734 Lehrer für "grammatica inf." und "grammatica media syntax" am Jesuitengymnasium in Mannheim.
  • 1737 legte er die vier Jesuitengelübde ab; Professor der Philosophie.
  • 1738 Rektor der Universität Heidelberg.
  • 1741 ging er schließlich als Missionar nach Nordamerika (Pennsylvania). Er war der erste deutsche Priester in dem Gebiet der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Hier gründete er die erste deutsche, katholische Gemeinde mit Goshenhopen als Missionsstation. Unter anderem war er dort auch als Lehrer und Arzt tätig.
  • Am 10. Juli 1764 wurde er in der von ihm gebauten Kirche zu Goshenhopen beigesetzt.

Inschrift seines Grabmals: Hic jacet Rev. Theodorus Schneider, S.J., Missionis hujus fundator. Obiit 10. Juli 1764. Aetatis 62, Missionis 24. R. I. P. (Übers.: Hier ruht Hochw. Theodor Schneider, Mitglied der Gesellschaft Jesu, Gründer dieser Missionsstation. Er starb am 10. Juli 1764 im 62. Lebensjahr und im 24. Jahr der Mission).

Leider ist von ihm kein Bild bekannt. Sein Grab vor dem alten Hochaltar der Missionskirche (jetzt St. Pauls Kapelle innerhalb der erweiterten Kirche) blieb jedoch erhalten, ebenso hängt dort ein Gemälde des letzten Abendmahls mit persönlicher Widmung von Kurfürst Carl Theodor an ihn.

Pater Ferdinand Steinmeyer, sein ihm in Freundschaft verbundener Ordensbruder in Pennsylvanien beschreibt das Aussehen Pater Schneiders folgendermaßen: "Er hatte eine überdurchschnittliche und aufrechte Körpergestalt, ein gesundes, starkes Äußeres, kräftige, feste und vollzählige Glieder, eine hohe Stirn, helle, glatte und gerötete Wangen und einen angenehmen und heiteren Gesichtsausdruck."  

Msgr. John Carrol, ab 1789 der erste kath. Bischof von Nordamerika, urteilt über unseren Pfälzer Landsmann: "Unter großen Mühsalen und Entbehrungen begannen sie (Pater Schneider u. Pater Wappeler) ihr segensreiches Werk. Beide waren Männer von ungewöhnlichem Wissen und einem ungemessenen Eifer. Schneider zudem ein Mann von großer Geschäftsgewandtheit, vollendeter Klugheit und ungemessener Großherzigkeit." Sein Seeleneifer, seine Nächstenliebe, seine Freundlichkeit gegenüber jedermann, sein unerschrockener Mut und seine Geschäftstüchtigkeit  werden allgemein als herausragende Wesenszüge überliefert. Die von ihm in Goshenhoppen gegründete Schule "St. Aloysius Academy" gilt heute als älteste katholische Schule der USA, seine Kirche als drittälteste katholische in USA und als älteste Pennsylvaniens.  

Ca. 100 Jahre später kam auf Pater Schneiders Missionsstation der junge Lehrer Karl Heinrich Heichemer aus Grünstadt (1836-1893) mit dem Jesuitenorden in Kontakt. Der Pfälzer Emigrant fungierte zunächst als Lehrer an der St. Aloysius Academy, trat 1867 als Novize in den Jesuitenorden ein, erhielt 1875 die Priesterweihe und war zeitlebens ein sehr angesehener Ordensgeistlicher in USA.  

Zum 300. Geburtstag Pater Theodor Schneiders hat der Heimatgeschichtler Norbert Kästel 2003 eine sehr schöne Biographie veröffentlicht, die bei ihm bezogen werden kann: Nobert Kästel, Am Hägfeld 31, 67435 Neustadt; norbert.kaestel@t-online.de 

Auf der Homepage der Pfarrei Geinsheim existiert eine Gedenkseite über Pater Schneider:

 

Pfarreiengemeinschaft Duttweiler, Geinsheim, Lachen-Speyerdorf

 

Die Pfälzische Stigmatisierte Barbara Pfister aus Wattenheim

 

Barbara Pfister wurde am 1. September 1867, in Wattenheim bei Grünstadt, in eine arme Handwerkerfamilie hineingeboren. Der Vater, ein Schreiner, hieß Balthasar Pfister; die Mutter Margaretha geb. Maltry kam aus Hettenleidelheim und entstammte der bedeutenden Familie van Recum. Schon als Kind hatte sie Visionen aus dem Leben Jesu. Ihr frommes Gemüt unterschied sie schon sehr früh von dem anderer Kinder und sie kniete oft vor dem Tabernakel in der Kirche. Mit knapp 17 Jahren trat sie 1883 als Postulantin in das Dominikanerinnenkloster Speyer ein. Da Barbara manchmal nach dem Empfang der hl. Kommunion in Ohnmacht fiel und aus der Kirche hinausgetragen werden musste, wurde sie nach einem Vierteljahr wieder aus dem Kloster entlassen. Die Oberin ahnte zu dieser Zeit noch nicht, dass der Grund für diese scheinbaren Ohnmachtsanfälle Visionen waren. Barbara Pfister arbeitete zunächst als Haushaltshilfe in Speyer, um ihre Familie finanziell etwas unterstützen zu können. 

Am 30. Juni 1890, traten bei ihr die fünf Wundmale Christi sowie die Abzeichen der Dornenkrone erstmals  sichtbar am ihrem Körper auf. Barbara wollte dies unbedingt geheim halten, was jedoch nur kurze Zeit gelang. Als die Stigmata bekannt wurden, sah sie sich bösen Anschuldigungen ausgesetzt. Aber polizeiliche und medizinische Untersuchungskommissionen konnte keinen Betrug feststellen, und ihre Seelsorger bestätigten ihr immer wieder die Lauterkeit ihres Charakters. 

Die Angriffe und Verleumdungen nahmen zwar zu, aber Barbara ertrug alles in geduldiger Opfergesinnung. Die stellvertretende Sühne für die Fehler anderer war ihr Anliegen. Alljährlich in der Passionszeit und besonders auch am Fest der Dornenkrönung, das damals in der Diözese Speyer noch gefeiert wurde, musste Barbara besonders viele Schmerzen ertragen. Wenn dann ihr Seelsorger einige Stellen aus der Liturgie des Tages vorlas, erschien dies Barbara als Erleichterung und als tröstliche Musik. Ab 1896 lebte die Stigmatisierte in der Obhut der Barmherzigen Schwestern zu Speyer, Engelsgasse. Domkapitular Friedrich Molz war ihr Seelenführer, zeichnete ihre Visionen auf und veröffentlichte auch eine Biographie über sie (kürzlich im Reprint erschienen). Sie starb in Speyer am 9. März 1909. An ihrem Grab auf dem dortigen Friedhof (südliche Mauer), befinden sich viele Zeichen der Dankbarkeit für erlangte Erhörung bei Gott.

Das bischöfliche Ordinariat in Speyer berief 1938 eine eigene Kommission, um über Barbara Pfister alle Zeugenaussagen, Berichte und besonders die zahlreichen Gebetserhörungen zu sammeln. Dieses Material wertete erstmals Domkapitular Nikolaus Lauer aus und verarbeitete es in einer eigenen Biographie der Stigmatisierten, die in zahlreichen Auflagen erschien. Durch die NS-Zeit und den 2. Weltkrieg unterblieben weitere Schritte zur Seligsprechung und später wurde der Prozess nicht mehr in Gang gesetzt. In jüngster Zeit hat sich in Ludwigshafen ein Freundeskreis Barbara Pfister etabliert der die Verehrung der einzigen Pfälzischen Stigmatisierten fördert. Bisher wurden von offizieller Seite keine neuen Schritte zur Vorbereitung einer evtl. Beatifizierung unternommen. Dennoch darf Barbara Pfister um Fürbitte bei Gott angefleht werden und es bleibt  zu hoffen, daß sie doch noch eines Tages als Selige verehrt werden wird; immerhin erfolgte  die Seligsprechung der Jungfrau von Orleans auch erst 500 Jahre nach ihrem Tod. Dem Bistum Speyer würde eine "Selige Barbara Pfister" sicher zur Ehre und zum Segen gereichen. Die Wallfahrt zu ihrem Grab ist jedenfalls ungebrochen. 

Der Reprint der Biographie von Domkapitular Molz kann gegen Spende bezogen werden bei:

Freundeskreis Barbara Pfister, Hermann-Hesse-Str. 20, 67071 Ludwigshafen.    

   

 

Prälat Dr. Schädler, Reichstagsabgeordneter und "Löwe aus Kurpfalz"  

 

Franz-Xaver Schädler wurde als Sohn eines Polizeikommissärs, am 5.12.1852 in Oggersheim geboren. Er besuchte die Lateinschule in Frankenthal, das Gymnasium in Speyer und studierte in Würzburg und Innsbruck. 1875 wurde er in Speyer zum Priester geweiht und war bis 1879 als Kaplan in Kaiserlautern tätig. 1881 erfolgte in Rom seine Promotion als Doktor des kanonischen Rechtes. Danach fungierte er als Pfarrer von Walheim, sowie als Religionslehrer und Gymnasialprofessor in Landau. 1890 wurde er als Zentrumsabgeordneter für den Wahlkreis Eichstätt in den Reichstag gewählt, 1891 für den Bezirk Ingolstadt auch in den bayerischen Landtag. Seit 1898 vertrat er in beiden Parlamenten den Wahlkreis Bamberg. Im Reichstag blieb Schädler bis zu seinem Tode der 2. Vorsitzende der Zentrumsfraktion, ein brillanter Redner mit einer gewaltigen, dröhnenden Stimme, die ihm den Spitznamen „Löwe aus Kurpfalz“ eintrug. 1897 avancierte der Pfälzer zum Domkapitular in Bamberg, 1902 erfolgte durch Papst Leo XIII., die Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten und zum Apostolischen Protonotar. Als Parlamentarier war er vom Tragen geistlicher Kleidung dispensiert, weshalb er auf manchen Photos in bürgerlicher Kleidung erscheint.  

 

Dr. Jakob Bission schreibt über ihn, in seinem Buch „Sieben Speyerer Bischöfe und ihre Zeit“: „Dr. Schädler war eine äußerst rührige, temperamentvolle Persönlichkeit, als Redner schlagfertig, begeisternd, humorvoll, das Volk führend. Wo Schädler auftrat, da gab es etwas zu hören. Er verstand es, die alten Wahrheiten von Treue zu Vaterland und Kirche, zu Irdischem und Ewigem in seiner Sprache dem lauschenden Volke zu bieten, daß die Menschen geradezu gepackt und fasziniert waren. Feingeistiger Humor bot die Würze für seine Rede.“ Der Pfälzer Priesterpolitiker sprach auf den deutschen Katholikentagen in Mainz 1890, in Danzig 1891 und in Mannheim 1902. Er verfasste außerdem eine Biographie über den Zentrumsparlamentarier Ludwig Windthorst. Den Eintrag Kaiser Wilhelm II. in das Goldene Buch der Stadt München mit dem Worten:„Der Wille des Königs ist das oberste Gesetz!“, kommentierte er im Parlament mit seiner Gegenthese: „Das öffentliche Wohl ist das oberste Gesetz!“.

 

Franz-Xaver Schädler starb am 16.2.1913, in Bamberg. In seinem anrührenden Testament schrieb er u.A.: „Ich weiß, daß ich insbesondere als Mitglied des Deutschen Reichstages und des bayerischen Landtages in Rede und Schrift gar manchen geärgert habe, andererseits auch infolge meiner öffentlichen Tätigkeit gar viele Beleidigungen, Kränkungen, Verleumdungen und vielen Hass erfahren musste. Mein Leitstern war: GOTT, SEINE HEILIGE KIRCHE, DAS DEUTSCHE VATERLAND, UNSER BAYERN UND SEIN VOLK. Niemanden wollte ich persönlich kränken oder wehe tun. Ist es doch vorgekommen, so bitte ich jedermann, auch jene, die ich auf politischem Gebiete angriff, um Verzeihung; wie auch ich hoffe, daß Gott durch die Fürbitte Mariens meiner armen Seele gnädig sei.“

 

Angemerkt sei noch, daß selbst Ludwig Thoma die Person Schädlers in seinen satirischen Werken über den bayerischen Landtagsabgeordneten Filser aufgreift. In dem Buch "Jozef Filsers Briefwexel" (Zweiter Band 1912) heißt es u.A.: "Indem Du beim Milidär gewesen bist, mus ich es Dier erkleren, das es nicht blos beim Milidär eine Diszaplien gibt sontern auch bei inserner Bardei (=Partei). Der Gäneral isd der gleine Schuhlmeisder Orderer (Dr. Georg von Orterer), wo man es zwahr nichd klaubt, aber er isd sär scharrf. Dan kohmen die Oberscht, was lauder geischtlinge Härren sind und Du kenzt si schon, der Bichler (=Dompropst Dr. Franz Seraph von Pichler), der Daller (=Dr. Balthasar Ritter von Daller) und der Schedler (=Dr. Franz Xaver Schädler). Dan kohmen Hauptleute und Leidnand, wo auch wider lauder Geischtlinge sind."

Das Bistum Speyer hat 1994, als Band 18 seiner seiner Reihe "Schriften des Diözesanarchivs", eine Broschüre über Dr. Franz-Xaver Schädler publiziert.

Siehe: - Schriften 18 

   

 

  Joseph Anton Sambuga, der Königserzieher aus dem alten Bistum Worms  

 

 

 

Als Sohn italienischer Einwanderer wurde Joseph Anton Sambuga  am 9. Juni 1752 im kurpfälzischen Walldorf geboren und schon der Bruder seiner Mutter, Joseph Anton Grossi, war 39 Jahre lang Pfarrer in Helmsheim bei Bruchsal gewesen. Es gibt über Joseph Anton Sambuga diverses Schrifttum und auch er selbst betätigte sich eifrig als religiöser Schriftsteller. Erwähnt und zitiert wird er zudem reichlich in vielen Lebensbeschreibungen über die zeitgenössischen Wittelsbacher. Bischof Johann Michael Sailer von Regensburg verfasste die bekannteste Biographie über ihn.

 

Seine Priesterweihe erhielt Sambuga im italienischen Como am 2. April 1774. Danach wurde er Kaplan in Helmsheim (1775-78), dann Stadtkaplan und Hofprediger in Mannheim (1778-85), ab 1783 lehrte er zeitweilig als Regens in Heidelberg, im sogenannten „Kleinen Seminar“ oder Konvikt. Sambugas Frömmigkeit und Eifer waren schon damals berühmt und sein Biograph Sailer schreibt, er sei in der Residenzstadt Mannheim zum „vortrefflichen Prediger“ gereift und als „Zierde des Pfälzischen Klerus“ geachtet gewesen.

 

Wolfgang Heribert von Dalberg, Hofbeamter und Minister in Mannheim, sowie Gründer des Mannheimer Nationaltheaters und dessen langjähriger ehrenamtlicher Intendant, konnte Sambuga als Pfarrer von Herrnsheim bei Worms gewinnen. Hier wirkte er zwischen 1784 und 1797, wobei er die Gemeinde religiös völlig erneuerte.

 

1797 bat schließlich der in Mannheim residierende, pfalz-bayerische Thronprätendent Pfalzgraf Max Joseph darum, Sambuga möge die religiöse Erziehung seines ältesten Sohnes, des Kronprinzen Ludwig – später König Ludwig I. von Bayern – übernehmen. Der Priester bewährte sich sehr als Erzieher des Kronprinzen und übernahm nach und nach auch die religiöse Betreuung aller seiner anderen Geschwister, darunter Prinzessin Karoline Auguste, nachmalige Kaiserin von Österreich, Prinzessin Sophie die Mutter Kaiser Franz Josephs I. von Österreich, Prinzessin Marie, später Königin von Sachsen und Prinzessin Ludovika, Mutter der legendären österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt „Sissi“. 

 

Kurfürst Karl Theodor starb 1799 in München und Pfalzgraf Max Joseph mit Familie musste dorthin umziehen, um dessen Nachfolge als pfalz-bayerischer Kurfürst Max IV. Joseph anzutreten. Im Jahre 1806 wurde er als Max I. Joseph zum ersten bayerischen König ausgerufen. Joseph Anton Sambuga siedelte 1799 mit der fürstlichen Familie nach München über. 1801 gab er – wegen der weiten Entfernung - seine seit 1797 noch nominell beibehaltene Pfarrstelle in Herrnsheim auf und sorgte dafür, daß sie auch rechtlich an den von ihm sehr geschätzten, bisherigen Administrator Gabriel Hagspiel, später Pfarrer von Grünstadt, übertragen wurde.

 

Ein Brief an Hagspiel, wie er seine Pfarrei führen solle, offenbart die tiefe Religiosität und den glühenden Eifer Sambugas. Darin schreibt er u.A.: „Gott wolle das mit vieler Frucht segnen, was Sie zum Heil so vieler teuerer Seelen übernehmen. Sie werden ohne Zweifel vieles nützen, wenn Männlichkeit, väterliches Ansehen und unschuldsvolles Beispiel Ihre Bemühungen unterstützen. Lassen Sie sich ja nicht von irgendwelchen Projekten sich selbst entreißen. Gehen Sie mit Leuten, deren Kopf noch voll von Republikanismus (revolutionärer Gesinnung) sind, mit Vorsicht, doch ohne Misstrauen um. Lieben sie die Einsamkeit, ohne einsam zu sein, eine immer mit der Zeit gehende Tätigkeit, ohne jedoch vom Zeitgeist zu sein, eine auf Würdigkeit und Einsicht, nicht auf Herkommen gegründete Existenz, sowohl Ihrer selbst, als auch der Religion die sie lehren. Besonders sei die Jugend ihr Augenmerk. Halten Sie dieselbe auf alle Weise zur Schule und christlichen Lehre an. Ziehen Sie, locken Sie, gewinnen Sie, treiben Sie an, fesseln und binden Sie alle an Ihr Wort, an Ihren Mund, an ihr Herz, die von Jesus überströmen. Befördern Sie auf alle Weise den Zugang zu den Sakramenten. Sie sind die Quellen des Lebens für alle. Wo diese nicht geöffnet sind, trinkt man sich am Strome der Gelüste voll. Mit den Sakramenten teilt sich Gott jenen, welche Glauben haben, auf unaussprechliche Weise mit. Wo diese noch genutzt werden ist reges Leben für Wahrheit und Tugend. Ihr Glaube breite sich über alle Glieder Ihrer Herde aus. Wenn der Hirt lebendigen Glauben hat und die Herde ihn wahrnimmt, wird sie Ihnen so ergeben sein, wie Sie Christus ergeben sind. Was wir für Gott sind erhalten wir reichlich wieder von unserer Gemeinde zurück. Alle Ihre heiligen Verrichtungen seien durch einen hohen Glauben belebt und reiner Ausdruck Ihres Herzens. Was vom Herzen kommt, gehet zum Herzen. Seien Sie munter und werden Sie nicht satt Gutes zu tun. Wo Sie stehen, gehen und weilen, denken Sie über sich und den Zustand Ihrer Pfarrei nach. Seien Sie jedem Auge, Fuß, Krücke, wie es jeder bedarf. Ein jeder gehe getrost, erbaut und gestärkt von Ihnen. Alle Vorgänge, alle Ereignisse benutzen Sie zum Guten. Verlegen Sie sich mit allem Fleiße auf die Wissenschaft und kultivieren Sie ihr Talent – Sie wissen schon wie ich es meine. Die Kultur die ich anrate ist: Jesus verkünden und im Geiste Jesu verkünden! Unser Ausdruck in Wort und Tat muß sein: Charitas Christi urget nos – Die Liebe Christi drängt uns!“

 

Geistlicher Rat Sambuga, der den späteren König Ludwig I. und seine Geschwister religiös geprägt hatte, starb am  5. Juni 1815 in Schloß Nymphenburg bei München. Sein Vermächtnis eines bodenständigen, jeder Frömmelei abholden Christentums trugen auch seine fürstlichen Zöglinge in die Welt hinein. Selbst eine Generation später ist es noch deutlich spürbar, in der einfachen, unkomplizierten, aber tiefen Religiosität von Prinzregent Luitpold von Bayern und von Kaiser Franz Joseph von Österreich. Bei Ersterem wurde der Vater, bei Letzterem die Mutter von Sambuga erzogen, dessen Lieblingsdevise lautete: „Nicht die Zeit darf uns, sondern wir müssen die Zeit prägen!“. Sowohl Prinzregent Luitpold als auch sein Cousin Kaiser Franz-Joseph haben diesem Leitbild folgend, ihre Zeit deutlich geprägt. In der bayerischen Geschichte gibt es nur eine Epoche, die nach einem Herrscher benannt ist, nämlich die Prinzregentenzeit und Kaiser Franz-Joseph wurde gar zum Symbol eines ganzen Staates und seines Zeitalters. Hinsichtlich der Kaiserin Karoline Auguste von Österreich (geb. Prinzessin von Bayern, Tante Kaiser Franz Josephs), heißt es in einer Biographie: „Einen besonderen Einfluss auf die Prinzessin hatte der ehemalige Hofprediger Joseph Anton Sambuga. Der katholische Geistliche vertrat eine Theologie der Offenbarung und trat für ein Leben aus dem Glauben ein. Diese Beeinflussung durch ideale und gewissenhafte Erzieher, die zudem noch großes Lehrtalent bewiesen, und ihr Amt - wie es Sambuga ausdrückte - als einen 'heiligen Verkehr mit dem Zögling' auffaßten, blieb bei Karoline Augusta bis in ihr hohes Alter spürbar und wirksam und sie war grundlegend für ihr ernsthaftes Bestreben, als österreichische Kaiserin den Kindern und Jugendlichen edle, kluge und wohlmeinende Lehrer und Erzieher zu verschaffen und die Angelegenheiten der christlichen Schulen großmütig zu unterstützen."

 

Den Grabstein Sambugas auf dem Münchner Winthirfriedhof stiftete König Ludwig I. von Bayern und ließ darauf den schönen Denkspruch setzen: „Joseph Sambuga, der Tugend Ebenbild, der Priester ohne Tadel, gerufen von Maximilian Joseph dem König von Bayern, zu bilden sein Fürstengeschlecht, im Geiste der Tugend und Weisheit.“

Joseph Anton Sambuga war sicher einer der frömmsten, durch seine segensreiche Erziehertätigkeit im Königshaus Wittelsbach aber auch einer der einflußreichsten Priester, die unsere Heimat hervorbrachte.  

 

Lebensbeschreibungen mit Werkverzeichnissen, siehe auch unter:

Joseph Anton Sambuga – Wikipedia                            

SAMBUGA, Joseph Anton Franz Maria

 

Kardinal Johannes Geissel, der Winzersohn mit dem roten Birett 

 

 

 

Johann Baptist Geissel wurde am 5. Feb. 1796 als Winzersohn im südpfälzischen Gimmeldingen geboren. Die Eltern hießen Nikolaus Geissel und Theresia geb. Motzenbäcker. 

 

Ab 1813 besuchte Geissel das bischöfliche Seminar in Mainz, welchem Großbistum, unter Bischof Joseph Colmar, damals sein Heimatdorf unterstand. Im Seminar freundete er sich mit seinem Pfälzer Landsmann Nikolaus Weis und dem Elsässer Andreas Räss an. Alle drei verband eine lebenslange Freundschaft und alle drei sollten einst herausragende Bischöfe des südwest-deutschen Raumes werden. Geissel und Weis wurden fast unzertrennlich und empfingen auch zusammen die  Priesterweihe, aus der Hand von Bischof Joseph Colmar, in Mainz, am 22. August 1818. Auf seine Empfehlung hin wurde Johann Geissel 1819 Professor am Progymnasium in Speyer und übernahm gleichzeitig die Erziehung der Kinder des dort residierenden Regierungspräsidenten von Stichaner. Am 22. Juni 1822 erhielten die Freunde Weis und Geissel gleichzeitig ihre Berufung ins Speyerer Domkapitel.

 

Geissel war historisch sehr interessiert und ein Mitbegründer bzw. Aktivist des Historischen Vereins der Pfalz. Er veröffentlichte diesbezüglich zahlreiche historische Publikationen, etwa ein 3-bändiges Werk über die Geschichte des Domes zu Speyer, eine Monographie über die Schlacht am Hasenbühl bei Göllheim und das dortige Königskreuz, sowie eine Schrift über die Zerstörung des Klosters Limburg  durch Graf Emich von Leiningen 1504 u.A.m.  Außerdem erfolgte die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

 

Die Einnahmen aus seinem Buch stiftete der damalige Domkapitular Johannes Geissel für den Bau der abgebildeten Schutzkapelle über dem historischen "Königskreuz", dem ältesten Flurkreuz der Pfalz.

Siehe auch unter:  Schlacht bei Göllheim  u. Göllheim

 

Zusammen mit Weis und Räss verausgabte er seit 1821 die Zeitschrift „Der Katholik“, eine der ersten und bedeutendsten katholischen Zeitschriften im 19. Jahrhundert. Der unter Bischof Colmar und Seminarregens Liebermann begründete streng kirchliche Geist wurde insbesondere durch ihre berühmtesten Schüler, die drei späteren Bischöfe Geissel, Weis und Räss weitergetragen bzw. kultiviert. Man nannte diese glaubens- und romtreue Richtung die „1. Mainzer Schule“ und sie hat durch ihr Sprachrohr „Der Katholik“ einen entscheidenden Einfluß auf das damalige religiöse Leben in Deutschland gewonnen.

 

 

Als Bischof Richarz von Speyer nach Augsburg wechselte, forcierte er die Ernennung des umsichtigen Domkapitulars Johannes Geissel zu seinem Nachfolger. Diese erfolgte 1836, die Installation mit Bischofsweihe 1837; 1839 wurde dem neuen Bischof der persönliche Adelstitel verliehen, verbunden mit dem Orden der bayerischen Krone und einem Mandat in der Kammer der Reichsräte Bayerns. Seinen Freund und engsten Vertrauten, Domkapitular Nikolaus Weis ernannte er zum Generalvikar. Ihr gemeinsames Wirken war sehr segensreich für das Bistum Speyer. Große Verdienste erwarb sich der konziliante Geissel bei der Beilegung des jahrelangen Streites zwischen der preußischen Regierung u. der Kirche, bei dem es sogar zur Inhaftierung des Kölner Erzbischofs Klemens August Droste zu Vischering  kam. Als Bistumsverweser u. Koadjutor des eingesperrten Bischofs wusste Geissel seit 1842 die Wogen zu glätten und wurde 1845 auch sein rechtlicher Nachfolger als Kölner Erzbischof. Nikolaus von Weis trat 1842 Geissels Nachfolge als Bischof von Speyer an, Andreas Räss avancierte im gleichen Jahr zum Bischof von Strassburg. Johannes von Geissel begann 1842 sofort mit der Wiederaufnahme des seit langem ruhenden Kölner Dombaus, 1848 berief er die erste gesamtdeutsche Bischofskonferenz nach Würzburg ein. Am 30 September 1850 erhielt der inzwischen unbestrittene Primus unter den deutschen Bischöfen, von Papst Pius IX. den Kardinalshut. Seine Popularität wuchs, zumal er der bisher erste Kardinal in Köln war. Kolpings Werk unterstützte er nachhaltig und sein frommer Weihbischof  Baudri wirkte in seinem Sinne. Im Oktober 1861 war Kardinal von Geissel bei der Krönung König Wilhelm I. in Königsberg anwesend und erhielt aus diesem Anlaß den Schwarzen-Adler-Orden, den höchsten Orden Preussens. Geissel selbst nannte diese Feierlichkeiten einen glanzvollen Höhepunkt „des weiten und wunderbaren Weges vom Winzerhaus in Gimmeldingen bis zum Königsschloß“. 1862 feierte er sein silbernes Bischofsjubiläum, am 8. September 1864 starb er in Köln, an Magenkrebs und wurde im dortigen Dom begraben. Der Heimatgeschichtler Eugen Matheis konstatiert:„ Mit Kardinal Johannes Geissel verloren die deutschen Katholiken einen ihrer besten Kirchenfürsten, die Erzdiözese Köln ihren treubesorgten Erzbischof, die pfälzische Heimat aber einen der größten Söhne die ihrer Scholle entwachsen sind.     

 

Johannes von Geissel – Wikipedia

 

GEISSEL, Johannes von

                    

 

Die Lehrerin Karolina Burger, Gründerin des St.-Anna-Stiftes, Ludwigshafen

 

Karolina Burger ist am 01.09.1879 als Tochter eines bayerischen Postbeamten geboren. Im Alter von 18 Jahren, zog sie 1897 mit ihren Eltern nach Speyer, da der Vater, als Postdirektor, dorthin versetzt wurde. Hier legte das Mädchen, welches als äußerst begabt geschildert wird, 1898 in der katholischen Lehrerbildungsanstalt der Dominikanerinnen ihre Lehrprüfung ab. Eine erste Anstellung fand sie im gleichen Jahr als Krankheitsvertretung in Hambach, 1905 kam die Lehrerin nach Ludwigshafen, wo sie im Stadtteil Hemshof wohnte und an der Volks- sowie an der katholischen Sonntagsschule unterrichtete.

Da sie in einem sozial schwierigen Bereich lebte, lernte Karolina Burger rasch die Not der Menschen kennen, vor allem die der Kinder, Mädchen und Frauen. Ab 1912 reagiert die engagierte Pädagogin aktiv auf die sozialen Missstände in der jungen Industriestadt Ludwigshafen und nimmt aus christlicher Nächstenliebe in Not geratene, arme, unverheiratete Mädchen und Frauen – besonders während der Schwangerschaft – bei sich auf. Mit drei gestrandeten Mädchen, einem unehelichen Kind und einer Obdachlosen begann sie in ihrer 3-Zimmer Wohnung das selbstlose Werk. Ein Jahr später konnte sie ein Mietshaus mit sieben Zimmern beziehen. Da viele Hilfesuchende abgewiesen werden müssen, mietet sie 1918 ein großes Haus in der Königsstraße als Fürsorgeheim an und gründet mit gleichgesinnten Frauen einen Fürsorgeverein, der später im Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder aufgeht. Sie bleibt die Vereinsvorsitzende bis 1933. Das „Institut der Armen Schulschwestern“ aus Speyer (heute Institut St. Dominikus) stellte vier Schwestern zur Mithilfe im Fürsorgeheim zur Verfügung. Es fehlt oft am Nötigsten. Aus dieser Not heraus eröffnen die Schwestern eine öffentliche Wäscherei, die zu einer wichtigen Einnahmequelle für das Heim wird.  Es gibt so viele Hilfebedürftige, dass zwei Jahre später weitere sechs Schwestern aus Speyer dazu kommen. 1925 wird ein Seitenbau errichtet, 1927 das Haus Königstraße 51 gekauft und im bisherigen Fürsorgeheim zusätzlich ein kleines Krankenhaus eröffnet. Für den ganzen Komplex wählt Karoline Burger die Heilige Anna als Schutzheilige. 1928 gibt es im Krankenhaus bereits drei Betten für Entbindungen, 10 bis 12 Säuglings- und Kinderbetten und 20 Betten für internistische, chirurgische und orthopädische Erwachsene Patienten. Es folgt die Gründung der ersten Säuglingspflegerinnenschule der Pfalz, in der 15 bis 20 Mädchen und Ordensschwestern in Jahreskursen ausgebildet werden. 1929 werden im St. Annastiftskrankenhaus 150 Kinder betreut. 1931 erfolgt die Angliederung des Hauses an den pfälzischen Krankenhausverband.  

Die ledige Karolina Burger wird als resolute und strenge Frau beschrieben, welche ein warmes Herz für die von der Gesellschaft benachteiligten Menschen hatte. Sie setzte sich für deren Belange mit Nachdruck ein, arbeitete unermüdlich und aufopferungsvoll bis an die Grenzen ihrer Gesundheit. Sie war ein Mensch, der kurzentschlossen zupacken konnte, eine Frau mit viel Idealismus, die nicht nach Anerkennung und Ruhm strebte. Als für die weibliche Bevölkerung „Politik“ noch ein Fremdwort bedeutete, kandidierte die Lehrerin bereits für den Stadtrat um sich aktiv für die Umsetzung ihrer karitativen Belange einsetzen zu können. Sie erregte bei der Kommunalwahl 1929 in Ludwigshafen Aufmerksamkeit, weil sie mit einer eigenen Frauenliste antrat und sich somit den Zorn der damaligen Vertreter der Zentrumspartei zuzog.

Wegen eines Herzleidens mußte Karolina Burger 1933 ihre schwierige und wichtige Arbeit in Ludwigshafen aufgeben. Sie verblieb noch einige Jahre in der Vorderpfalz und zog dann nach Altötting um, wo sie am 09.12.1949 im Alter von 70 Jahren verstarb. 1960 ehrte die Stadt Ludwigshafen den Einsatz dieser Frau mit der Umbenennung der Königsstraße in die Karolina-Burger-Straße. Seit 1997 trägt auch die Realschule im Schulzentrum Ludwigshafen-Mundenheim ihren Namen.

Beim 23. Luftangriff auf Ludwigshafen, am 27. Mai 1944, wird das St. Annastift zu 80 Prozent zerstört. Auch Tote waren zu beklagen. Nach Einzug der Amerikaner 1945 erfolgt mit erheblichem finanziellem Aufwand die Instandsetzung der Kinderabteilung, des Fürsorgeheims und der Operationsräume. 1949 wird ein Auffangheim mit 20 Betten eingerichtet. Die Schwestern legen selbst mit Hand an und die Polizei Ludwigshafen stellt Leute für den Ausbau zur Verfügung. 1952 beginnt man mit der Planung einer neuen, modernen, großen Kinderklinik, die am 27. Oktober 1953 von Bischof Dr. Isidor Markus Emanuel eröffnet wird. Sie existiert bis heute und entfaltet ihre segensreiche Wirksamkeit im Geist der Gründerin.

Karolina Burger trägt den Vornamen der ersten bayerischen Königin, die durch ihre selbstlose Mildtätigkeit in die Geschichte einging. Von der Königin hatte die notleidende Bevölkerung seinerzeit ein schönes Wort geprägt, das sich auch auf Karolina Burger übertragen ließe:„Steht dir die Not bis oben hin, dann gehe zu der Karolin´!“  

Karolina Burger

St. Annastiftskrankenhaus

 Pater Damian Kreichgauer SVD, berühmter Naturwissenschaftler u. Völkerkundler  

 

 

Damian Kreichgauer wurde am 1.5.1859 als Sohn eines Gerichtssekretärs in Rockenhausen geboren. Nach einigen Jahren versetzte man den Vater nach Annweiler, wohin dann die gesamte Familie übersiedelte. Der spätere Pater besuchte dort die Lateinschule, danach das Gymnasium in Speyer. Kreichgauer leistete beim 9. Bay. Infanterie Regiment seinen Wehrdienst ab und studierte zunächst in Würzburg und München Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Mathematik und Physik. 1885 schrieb er seine Doktorarbeit in Physik. Von 1886 bis Ende 1889 arbeitete er in Paris. Er nahm als Assistent der deutschen Kommission an einer internationalen Konferenz zur Festsetzung einheitlicher Maße und Gewichte teil. Dann holte ihn Hermann von Helmholtz, der führende Physiker der damaligen Zeit, an die Physikalisch-Technische Reichsanstalt. Die Jahre in Berlin als Assistent und Stellvertreter des Präsidenten Helmholtz bildeten einen Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn.

 

Trotz glänzender Erfolge spürte Damian Kreichgauer die Berufung zum Priestertum in sich, ja er wollte sogar Missionar werden. Der Würzburger Guardian der Franziskanerminoriten, Pater Franz Vogel – ein Pfälzer aus Grünstadt, der im Rufe der Heiligkeit starb – empfahl den ihm wohlbekannten Damian Kreichgauer persönlich in einem Brief, dem Seligen Pater Arnold Janssen, Gründer der Steyler Missionare. Kreichgauer trat am  25.10.1892, zu St. Gabriel, Wien-Mödling, in den Orden ein. Dort empfing er am 7.7.1895 die Priesterweihe, aus der Hand von Erzbischof Dr. Eduard Angerer.  Wegen seinem schon etwas fortgeschrittenen Alter, sandte man ihn nicht in die Mission, sondern er blieb zeitlebens als Lehrer (Professor) in St. Gabriel. Pater Arnold Janssen, selbst ausgebildeter Naturwissenschaftler, legte großen Wert darauf, daß seine Missionare in das Wissen der Zeit eingeführt wurden. So mußten alle Studenten vor dem Theologiestudium einen zweijährigen naturwissenschaftlich-philosophischen Kurs absolvieren. P. Kreichgauer unterrichtete sie in Mathematik, Physik und Chemie, aber auch in Ackerbau, Geologie, Astronomie und Meteorologie.

 

Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er noch zahlreiche wissenschaftliche Schriften und Aufsätze. Sein erstes großes Werk „Die Äquatorfrage in der Geologie“ (Steyl 1902), behandelt  die Verschiebungen der Erdkruste. „Das Sechstagewerk“ (Steyl 1906) stellt den biblischen Schöpfungsbericht ins Licht der Naturwissenschaften. Als Pater Wilhelm Schmidt die Zeitschrift Anthropos gründete, konnte er auch den Pfälzer Anthropologen zur Mitarbeit gewinnen. Kreichgauer befaßte sich hauptsächlich mit Mexiko vor der spanischen Eroberung. Seine bedeutendste Veröffentlichung zu diesem Thema erschien 1917 in Wien, bei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften: „Die Astronomie in der großen Wiener Handschrift aus Mexiko“. Pater Kreichgauer entzifferte dazu als erster jenes 14 Meter lange, indianische Manuskript, genannt "Codex Vindobonensis Mexicanus I", das in Würdigung seiner Arbeit, nach ihm, in "Codex Kreichgauer" umbenannt wurde. Er erhielt dafür auch den Internationalen Volney-Preis für Philologie in Paris. Die Handschrift hatte der mexikanische Herrscher Montezuma 1519 dem Eroberer Cortes geschenkt; 1677 gelangte sie nach Wien und lieferte nach der Entzifferung durch Pater Kreichgauer den Beweis dafür, daß die mexikanischen Astronomen schon vor der Erfindung des Fernrohres genauere Resultate erzielen konnten, als zur selben Zeit ihre europäischen Kollegen.

 

Über seine naturwissenschaftliche Arbeit hinaus war Pater Kreichgauer ein beliebter und gewissenhafter Seelsorger, der gerne in allen umliegenden Kirchen und Instituten zur Zelebration aushalf. Mit dem Prinzen August von Sachsen-Coburg-Gotha, Enkel Kaiser Pedro II. von Brasilien und Eigentümer von Schloß Gerasdorf bei Wien, verband ihn eine Freundschaft.  Dessen Cousin, Zar Ferdinand von Bulgarien,  wählte Kreichgauer zum Urlaubsseelsorger und ließ seine Kinder auch von ihm zur Erstkommunion führen. Der Steyler Missionar blieb über viele Jahre hinweg der Zarenfamilie eng verbunden. Erzbischof Anton Kardinal Gruscha von Wien zog den liebenswerten Gesellschafter ebenfalls mit Vorliebe in seine Nähe und er ließ sich 1909 von ihm nach Rom, zur Kanonisation Klemens Maria Hofbauers begleiten. Pater Kreichgauer pflegte den fast 90-jährigen Kirchenfürsten bis zu seinem Tod im Jahre 1911.

 

Den eigenen Lebensabend verbrachte der nunmehr selbst kränkelnde Priester, seit 1931 im „Arnoldsheim“ zu Kaltenleutgeben, im Wienerwald und lebte – laut Nachruf – „wie ein Eremit des Altertums, zwischen Gebet, Betrachtung und Studium“. Pater Damian Kreichgauer starb am 10. März 1940, im Kloster St. Gabriel, Wien-Mödling und wurde am 13. März, durch den Wiener Erzbischof Kardinal Innitzer persönlich, auf dem dortigen Konventsfriedhof beigesetzt.

Die Wissenschaft hat dem Steyler Missionar mit der Umbenennung des Wiener Codex  ein bleibendes Denkmal gesetzt. In seinem Geburtsort Rockenhausen ist eine Straße nach ihm benannt.

   Link zu einer Gedenkseite:  P. Damian Kreichgauer 

 

Aztekische Kalenderdarstellung aus dem Codex Kreichgauer

 

Übersicht über die Hauptpublikationen:

            1902  Die Äquatorfrage in der Geologie, Steyl, Missionsdruckerei

1906

Das Sechstagewerk. Versuch einer naturwissenschaftlichen Würdigung des biblischen Schöpfungsberichtes. 80 S. Steyl, Missionsdruckerei

1908

Das Licht der Meteoritenschweife und der Sonnenkorona. Natur und Offenbarung 54 (1908). S. 433-438.

1909

Physikalische Geologie S. 25-72. 20. Dynamische Geologie S. 75-130. in: Himmel und Erde, II. Bd.: Unsere Erde. München, 1909, Allgemeine Verlagsgesellschaft

1912

Les mythologies et les Calendriers de l'ancien Mexique. Semaine d'Ethnologie religieuse II. Session. Louvain 1912. 1914 22

1914

Das Symbol für "Kampf" im alten Mexiko. Anthropos 9 (1914) 381-391. 23

1914

Über Sonnen. und Mondfinsternisse in der Dresdener Maya-Handschrift. Anthropos 9 (1914) 1019. 1915

1915

Die Astronomie des Kodex Nuttal. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Zentralamerikas. Anthropos 10 (1915) 1-23

1915

Kosmische Vorstellungen im Bilde prähistorischer Zeit (ill.). Anthropos 10 (1915) 272-274. 1916

1916

Die Sternbilder im alten Mexiko. Anthropos 11 (1916) 1080-1082. 1917

1917

Die Astronomie in der großen Wiener Handschrift aus Mexiko. Sitzungs-Berichte der Kais. Akademie der Wissenschaften. Wien, Phil. Hist. Klasse, Bd. 182, 5. Abhdlg. 52 S. Wien, 1917. Verlag Alfred Hölder

1917

Die Klapptore am Rande der Erde in der altmexikanischen Mythologie und einige Beziehungen zur Alten Welt. Anthropos 12 (1917) 272-312

1917

Die Bilderschrift im alten Mexiko. Die Kultur 18 (1917) 172-184

1917

Studien zum aztekischen Codex Borbonicus, besonders über dessen Astronomie (ill.). Anthropos 12 (1917) 497-512

1917

Stab und Besen im alten Mexiko. Anthropos 12 (1917) 709-710. 1918

1918

Medea im alten Mexiko. Anthropos 13 (1918) 1115-1117. 1919

1920

Kritisches zur Relativitätstheorie. Kölnische Volkszekung 1920, Nr. 838. (27. 10. 1920)

1922

Mystères astronomico-religieux dans l'Amdrique Centrale. Semaine d'Ethn. rel. Ill, Sess.

1922

Die ältesten Zeugnisse mexikanischer Kultur. Festschrift Ed. Seler, herausgeg. v. W. Lehmann, 1922, S. 271-279

1924

Die Technik der Naturvölker. In: W. Schmidt und W. Koppers Völker und Kulturen, S. 645-682, Regensburg, Habbel 1924. (Der Mensch aller Zeiten, Bd. 111)

1925

Die Religion der Griechen in ihrer Abhängigkeit von den mutterrechtlichen Kulturkreisen. Jahrbuch des Missionshauses St. Gabriel. 1925, 106-152

1926

Das Alter der Maya-Dokumente und der Kodizes. Anthropos 21 (1926) 1025-1026

1928

Neue Beziehungen zwischen Amerika und der Alten Welt. Festschrift P. W. Schmidt 1928, herausgeg. von W. Koppers. S 366-377

1932

Über die Maya-Chronologie. Anthropos 27: 621-662

  

Pfarrer Ernst von Gagern, Freiherr und geistlicher Konvertit  

 

 

 

 

 

Die Familie der Freiherrn von Gagern - ursprünglich Gawarn - ist eines der bedeutendsten pfälzischen Adelsgeschlechter. Wendischen Ursprungs, wird es bereits seit 1290 auf Rügen bezeugt und nahm in der Reformationszeit den protestantischen Glauben an.  Gagern (Adelsgeschlecht) – Wikipedia

 

Claudius Mauritius von Gagern (*16.4. 1696 auf Rügen) kam als erstes Familienmitglied in die Pfalz. Durch seine Verheiratung mit Jacobea von Steinkallenfels erbte er Güter in Laumersheim, Albisheim/Pfrimm und das Wasserschloß Morschheim. Hier  wohnte das Ehepaar und Claudius Mauritius starb dort am 26.3.1758. Sein Grabstein steht noch in der protestantischen Kirche von Morschheim und laut Inschrift war er „Ritter und Assistenzrat der unmittelbaren, reichsfreien Ritterschaft am Oberrhein“. Claudius Mauritius von Gagern ist der Urgroßvater unseres Priesters Ernst von Gagern.

 

Ernst von Gagern wurde geboren am 6.1.1807 auf Schloß Monsheim. Sein Vater Karl Christoph Gottlieb von Gagern (*1743 auf Rügen, + 1825 in Gauersheim) war der letzte pfalz-zweibrückische Obristhofmeister. Als junger Offizier im pfalz-zweibrückischen Regiment „Royal Deuxponts“, hatte er am 8.7.1760, in der Schlacht bei Korbach gegen die Preußen des „alten Fritz“ kämpfend ein Bein verloren und man übernahm ihn deshalb als Kriegsversehrten in den höfischen Dienst seines Landes. Für seine Tapferkeit bei Korbach erhielt er das Ritterkreuz des Militär-Verdienstordens, der höchsten französischen Tapferkeitsauszeichnung.  Nach dem Tod seiner ersten Frau Esther von Laroche heiratete er in zweiter Ehe die bürgerliche Anna Margaretha Burger aus Alzey, die wegen ihrer Anmut auch „die Schöne von Alzey“ hieß. Mit ihr hatte er 3 Söhne, wovon der spätere Priester Ernst von Gagern der älteste war. Er wuchs auf Schloß Gauersheim bei Kirchheimbolanden auf und konvertierte 1824, mit 17 Jahren, zum katholischen Glauben. Schließlich studierte er Theologie am Seminar in Mainz und erhielt am 12.8.1831 in München die Priesterweihe. Bis 1839 war er in Pfarreien des Erzbistums, nämlich in Hohenkammer, Ebersberg, Mühldorf am Inn und in Rosenheim als Kaplan tätig. Dann wechselte er in die pfälzische Heimat. Am 14.3.1839 ernannte Bischof Geissel den Freiherrn Ernst von Gagern zum Pfarrer von Ottersheim im Donnersbergkreis. Er war ein eifriger und tatkräftiger Seelsorger und verfügte – laut Überlieferung – über gute persönliche Kontakte zum bayerischen Königshaus. 1844/45 musste die uralte Ottersheimer Pfarrkirche St. Amandus wegen Baufälligkeit infolge Hangrutschungen abgerissen werden. Unter der maßgeblichen Regie von Pfarrer von Gagern errichtete man an gleicher Stelle eine neue Kirche im byzantinischen Stil, die 1845 von Bischof von Weis geweiht wurde. Kurz danach verließ der Priester die Gemeinde Ottersheim, wo er 6 Jahre lang segensreich gewirkt hatte. Seinen Pfarrkindern schenkte er eine wertvolle Monstranz mit einem Splitter des Kreuzes Christi, mit der noch heute bei den Flurprozessionen der Segen erteilt wird.

 

Am 17.10.1845 wurde Ernst von Gagern Pfarrer von Schifferstadt, wo er sich ebenfalls als Kirchenbauer betätigte da er die mittelalterliche Pfarrkirche St. Jakobus um- bzw. völlig neu erbaute. Dort zog auch seine Mutter zu ihm. Sie starb am 30.3.1859 in Schifferstadt und der Priester ließ ihr einen wunderschönen Grabstein mit einer trauernden Marienfigur errichten.

 

Pfarrer von Gagern begrüßte 1848 die für Kirche und Gesellschaft errungenen Freiheiten. Er wurde zu einer führenden Persönlichkeit des erwachenden politischen Katholizismus und er war der erste Geistliche der Diözese Speyer, der in seiner Pfarrei einen „Pius-Verein“ gründete. Diese, nach dem damaligen Papst Pius IX. (kürzlich seliggesprochen) benannten Vereine untersuchten die neu gewährten Rechte, setzten sie zum Nutzen der Kirche um und wachten über deren Einhaltung. Ebenso entschieden wie Pfarrer von Gagern die rechtmäßigen Freiheiten für Kirche und Gesellschaft begrüßte, lehnte er die gewalttätigen und immer mehr auch gegen den Katholizismus gerichteten Auswüchse der Revolution ab. Außerdem war er dem bayerischen Königshaus in Aufrichtiger Zuneigung verbunden. Vor diesem Hintergrund muß man die Verfolgung seiner Person durch revolutionäre Anführer in Schifferstadt sehen. Der Bierbrauer Ignatz May inszenierte z.B. am 20.5.1849 einen Tumult beim Gottesdienst in St. Jakobus und bedrohte von Gagern öffentlich am 18.6.1849, indem er äußerte, er werde „den schlechten Pfaffen in drey Tagen todtschießen“. Daß sich der Geistliche aber nötigenfalls auch mit der königlichen Obrigkeit anlegen konnte, zeigt ein im Landesarchiv Speyer dokumentierter Fall aus dem Jahre 1855, als er den Schifferstadter Polizeidiener recht rüde zurechtwies und einen geharnischten Brief an das zuständige Bezirksamt in Speyer schrieb, da die Behörde gegen einen schon lange andauernden, öffentlich bekannten Konkubinatsfall, nicht mit der erforderlichen Entschiedenheit vorgehe. Pfarrer von Gagern ließ 3 Volksmissionen halten (1852, 1854 und 1858) und erreichte durch seinen Eifer eine religiöse Erneuerung seiner Gemeinde. Die Pfarrei Schifferstadt galt damals als eine der größten und arbeitsaufwendigsten des Bistums.

 

Ernst von Gagern überlebte seine Mutter nur um 6 Jahre und verstarb in Schifferstadt, nach zweijähriger Krankheit, am 6.7.1865. Er war erst 58 Jahre alt, was jedoch damals der durchschnittlichen Lebenserwartung der Priester in der Diözese Speyer entsprach. Man bestatte ihn unmittelbar neben  der Mutter und ließ ihm einen gleich gestalteten Grabstein setzen, jedoch mit einer segnenden Christusstatue. Beide Gräber sind noch auf dem alten Friedhof in Schifferstadt erhalten und seit ca. 30 Jahren trägt dort eine Straße den Namen des verdienstvollen Geistlichen.

 

 

Pfarrer von Gagerns Bruder (aus der 1. Ehe seines Vaters) Hans Christoph Ernst von Gagern (1766-1852), der als Protestant von den Wormser Jesuiten erzogen wurde -  die er in seinen Memoiren mit großem Lob bedenkt -  ist der berühmteste Sproß der Familie. Er war Ministerpräsident des Fürsten von Nassau-Weilburg, 1815 niederländischer Gesandter auf dem Wiener Kongress, 1816-18 luxemburgischer Gesandter beim Deutschen Bundestag und später hessischer Landtagsabgeordneter. Seine mehrbändigen  Memoiren sind eine zeit- und heimatgeschichtliche Fundgrube. Über die Wormser Jesuiten schreibt er z.B.: "Als die gestörte Gesundheit meiner Mutter einen Aufenthalt in der nahen Stadt verlangte, erkundigte sich mein Vater nach der besten Schule und seine Freunde empfahlen ihm die  Ex-Jesuiten (der Orden war vorübergehend aufgehoben) zu Worms. Unter diesen väterlichen Männern, nun Gliedern des Domstiftes, waren sehr gebildete Persönlichkeiten. Es ist ein großes Vorurteil meiner Zeit und der Protestanten vorzüglich, sich in dieser hohen Geistlichkeit nur Müßiggang, Behagen und Wohlleben zu denken. Es war Mischung, aber von mancher Unsitte hat man nur das grellste Bild genommen. Die Anzahl der achtungswürdigen und geistreichen Männer war sehr bedeutend. Vier Jahre ging ich dort zur Schule; nicht ohne Lob. Diese schwarzen Herren haben Religionssachen gar nicht mit eingemischt, sie nie berührt, mir die ersten Elemente der Wisenschaft versüßt und alle Aufmerksamkeit auf mein Fortkommen gerichtet." (Memoiren "Mein Anteil an der Politik", 1. Band, 1823)            
Hans Christoph Ernst von Gagern – Wikipedia   

 

Die Familie von Gagern

 

Auch seine 3 Söhne – die Neffen Pfarrer von Gagerns – erlangten zeitgeschichtliche Berühmtheit.

 

Friedrich Balduin von Gagern (*1794) fiel als General und Oberbefehlshaber des deutschen Bundesheeres, am 20.4.1848 bei Kandern, im Gefecht gegen die Freischaren Heckers. Friedrich von Gagern – Wikipedia

 

Heinrich von Gagern  (1799-1880) war hessischer Landtagsabgeordneter, 1848 Hessischer Ministerpräsident, 1848/49 Präsident des Paulskirchenparlaments und schließlich (1864-72) hessischer Gesandter in Wien. Zu seiner (bürgerlichen) Eheschließung am 18.7.1839, in Freinsheim, fungierte der Onkel, Pfarrer Ernst von Gagern, als Trauzeuge. Heinrich von Gagern – Wikipedia

 

 

Maximilian von Gagern (1810-1889) Mitglied des Paulskirchenparlaments 1848, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, trat zum Katholizismus über, seit 1854 im österreichischen Staatsdienst, 1881 Mitglied des österreichischen Herrenhauses. Maximilian von Gagern – Wikipedia

 

 

Johann Michael Schang, der Pfälzische Pfarrer von Ars

 


 

 

(* 20. Januar 1757 in Lixingen, Lothringen; † 18 September 1818 in Pirmasens) war eine bedeutende Priestergestalt in den Bistümern Metz, Mainz und insbesondere im Bistum Speyer. Er wurde von seinen Bischöfen hoch geschätzt und vom Volk wie ein Heiliger verehrt. Von seelischen Leiden Geplagte unternahmen Tagereisen, um die Beichte bei ihm ablegen zu können und seinen Zuspruch zu erhalten. Seine Hauptverdienste lagen weniger im Äußerlichen als in Frömmigkeit und Seelsorge. Er wird auch als der Pfälzische Pfarrer von Ars bezeichnet.

Herkunft und Jugend

Johann Michel Schang wurde als Sohn des Bauern und späteren Bürgermeisters Christoph Schang und seiner Ehefrau Apollonia geb. Busch geboren. Sein Geburtsort Lixingen gehört zur Diözese Metz. 1774 trat der Junge in das kleine Seminar  St. Anna zu Metz ein und studierte dort Philosophie. Von dort kam er 1777 ins große Seminar St. Simon, wo die Alumnen ihre theologische Ausbildung erhielten. Beide Seminarien wurden von Lazaristen geleitet. Am 19. August 1778 empfing Johann Michael Schang in der Abteikirche St. Arnulf die Priesterweihe, aus der Hand des Metzer Bischofs und späteren Kardinals Louis-Joseph de Montmorency-Laval, der später als Emigrant in Hamburg wohnte.

Wirken als Priester 

Am 9. Oktober 1781 wurde Johann Michael Schang Pfarrer von Wiesbach, Südwestpfalz. In Wiesbach erfuhr Schang auch die Schrecken der Revolutionszeit. Wie fast alle Priester verweigerte er den Eid auf die republikanische Verfassung, welche die Kirche als französische Landeskirche proklamierte und die Rechte des Papstes weitgehend außer Kraft setzte. Es begann eine blutige Verfolgung dieser Eidverweigerer und Johann Michael Schang musste einmal für 2 Tage nach Geinsheim in der Vorderpfalz fliehen, sich verstecken oder Zivilkleider anlegen, um unerkannt zu bleiben. Schang und sein Pfarrhaus wurden mehrfach ausgeplündert. Einmal entging er der Verhaftung in der Schule nur, da er sich schnell einen Bauernrock überwarf und den Lehrer spielte. Den – noch jungen – wirklichen Lehrer hatte er zwischen die älteren Schüler gesetzt. Die ganze Gemeinde - ohne Unterschied der Konfession - deckte den Priester und bewahrte ihn vor der Verhaftung. Ab 1800 besserten sich die Zustände und die Verfolgung hörte auf, wenn auch viele Restriktionen für die Kirche und den Gottesdienst bestehen blieben. Wiesbach gehörte mit der ganzen Umgegend bis 1802 zu Schangs Heimatbistum Metz. Ab 1802 kam das Gebiet zur neuen Großdiözese Mainz unter dem heiligmäßigen Bischof Joseph Colmar. Bei einem Besuch des neuen Bischofs Colmar in Wiesbach lernte er Pfarrer Schang kennen und schätzen. Dem Bischof war die vorbildliche Frömmigkeit und der Eifer von Priester und Gemeinde aufgefallen. Von Februar 1802 bis April 1806 war Schang Pfarrer in Maßweiler von Mai 1806 bis September 1807 in Hornbach.

Am 28. September 1807 bezog Johann Michael Schang die wichtige Seelsorgestelle in der Stadt Pirmasens und wurde am 29. Januar 1808 dort Pfarrer. Hier wirkte er bis zu seinem Tode 1842 und wird wegen seines unermüdlichen Seelsorgeeifers auch der „Apostel von Pirmasens“ genannt. Pfarrer Schang erneuerte die Gemeinde völlig und entfalte eine sehr segensreiche seelsorgerische Tätigkeit. Mit Bischof Joseph Colmar stand er in freundschaftlichem Briefkontakt und dieser äußerte über ihn: "Ich habe viele Seelsorger aber nur einen Apostel Schang". An den Metzer Bischof schrieb Colmar am 17. September 1808: „Der Pfarrer von Pirmasens ist ein heiliger Priester...“ Der Geistliche ließ Volksmissionen abhalten, gab Katechesen und Predigtunterweisungen; außerdem ermunterte er die Gläubigen zum Sakramentenempfang. Besonders berühmt war er als einfühlsamer Beichtvater, zu dem die Leute oft Tagereisen weit heranfuhren um seinen Rat, Trost und seinen Zuspruch zu erhalten. Pfarrer Schang befasste sich mit manchen Beichtenden Stunden lang und erörterte bzw. ordnete in sogenannten Generalbeichten ihr ganzes bisheriges Leben. Viele Gläubige schieden nach einer Beichte von ihm gewandelt, mit völlig neuer Lebenseinstellung und neuem Lebensmut. Schang wurde von Beichtwilligen aus nah und fern förmlich belagert und verbrachte nicht selten den halben Tag im Beichtstuhl, bis er es vor Kälte und Erschöpfung nicht mehr aushielt. Auch viele Priester kamen zu dem Pfarrer von Pirmasens um bei ihm – dem Amtsbruder – zu beichten und sich wieder aufrichten zu lassen. Dabei nahmen sie oft stundenlanges Warten in Kauf.

Von den Menschen seiner Zeit wurde Schang wie ein Heiliger verehrt, wenngleich er dies in seiner Bescheidenheit abzuwehren suchte. Er lebte arm wie Bettler und verschenkte das Wenige, das er besaß; sogar seine eigenen Kleider. Viele kamen auch um von ihm gesegnet zu werden oder weil er den Exorzismus über sie beten sollte. Es wird von mehreren Heilungen aufgrund der Segnungen und Exorzismen berichtet, ebenso von Teufelsaustreibungen. Auch das Phänomen eines auffälligen „Leuchtens“ seines Gesichtes beim Gebet ist mehrfach überliefert.

Das einzige erhaltene Photo von Pfarrer Schang

Pirmasens fiel 1817, nach Ende der Franzosenzeit, bei der Aufteilung des Großbistums Mainz, an die wiedererstandene Diözese Speyer. Somit wurde auch Pfarrer Johann Michael Schang Speyerer Diözesanpriester und bayerischer Staatsbürger. Er avancierte zum Dekan und Schulinspektor, 1837 zum Königlichen Geistlichen Rat und Inhaber des bayerischen Ludwigsordens. Die Speyerer Bischöfe - besonders Johann Jakob Geissel und Nikolaus von Weis - schätzten ihn ebenso, wie bereits vorher Bischof Joseph Colmar von Mainz. Am 1. Januar 1841 trat Schang in den Ruhestand, blieb aber weiterhin in Pirmasens. Im Frühjahr 1842, kurz vor seinem Tod, besuchte er nochmals seinen Heimatort Lixingen, wo er mit großen Ehren empfangen wurde und eine Festmesse hielt. Von dort kehrte er heim und erkrankte; u. a. bekam er eine offene Wunde am Fuß. Nach einem Krankenlager von 6 Monaten verstarb er am 18. September im 85. Jahr seines Lebens, im 61. Jahr seines Priestertums und im 35. Jahr seines Wirkens in Pirmasens. Er wurde zunächst auf dem Friedhof Pirmasens in einem einfachen Grab beigesetzt.

Sein Pirmasenser Nachfolger, der selige Paul Josef Nardini warb jedoch um Spenden für ein würdiges Grabdenkmal, das 1853 errichtet werden konnte. Als man den neuen Grabstein setzte, musste der Sarg geöffnet werden. Hierbei ließ Pfarrer Nardini das Haupt des Verstorbenen als Reliquie entnehmen und man bewahrte es von da an in der Pfarrkirche auf. Dies belegt bereits damals eine fast heiligengleiche Verehrung von Pfarrer Schang. Als der Friedhof mit Schangs Grab 1939 aufgelöst wurde, verfügte Stadtpfarrer August Schmitt die Öffnung der Grabstätte und ließ die restlichen Gebeine ausgraben. Sie wurden im Außenbereich der neuen Pfarrkirche, hinter dem Chor – zusammen mit dem Haupt – in einer ausbetonierten Gruft neu beigesetzt. In einer Metallhülse wurde eine Urkunde mit folgendem Wortlaut beigefügt:

Im Jahre des Herrn 1939, am 20 Juni, ließ er unterzeichnete Pfarrer von Pirmasens St. Pirmin, im Beisein der Herren Karl Emanuel und Heinrich Peifer, die restlichen Gebeine des Pfarrers und Dekans Johann Michael Schang, auf dem alten Friedhof durch den Friedhofsverwalter Georg Faul ausgraben und trug sie selbst in das Pfarrhaus. Es fanden sich noch: 2 Oberarmknochen, 2 Schulterblattknochen-Reste, zwei Reste des Unterarmknochens (Speiche und Ellbogen), 2 Schlüsselbeine, einige Rippenreste, Messgewandreste und zwei Haarbüschel. Die Gebeine wurden zusammen mit dem Haupt, das schon unter Pfarrer Nardini in die alte Kirche verbracht worden war und in der neuen Kirche im Tabernakel des Marienaltars stand, hier hinter der Pfarrkirche in einem im Boden ausbetonierten Grab, am Abend des 29. Juni, unter Beteiligung der Pfarrgemeinde feierlich beigesetzt.

 Pfarrer August Schmitt, Pirmasens, 1939

"Der Katholik", das Sprachrohr des Mainzer Kreises schrieb 1842 in seinem Nachruf: „Pfarrer Schang war die Blume der Diözese, der Mann des Volkes weit und breit, in den Augen seiner Amtsbrüder ein Heiliger.“ Pfarrer Hubert Pirrung von Kusel, Schangs ehemaliger Kaplan konstatierte in seiner kurz nach dem Tode des Priesters erschienenen Biographie:

...die Priester haben an ihm einen Freund und ein Muster, die Pfarrei Pirmasens einen Vater, verirrte Seelen einen weisen Arzt, die Armen einen Wohltäter, die Welt einen guten Menschen, das Bistum einen würdigen Priester, die Kirche viel frommes Gebet, der Staat einen nützlichen treuen Diener verloren – der Himmel aber eine Zierde gewonnen.

 Hubert Pierrung, Biographie Pfarrer Schang, 1842

  Helene Most, Konvertitin, Nonne und Sühneseele in Speyer

  

 

 

Sie wurde 1883 in Stettin geboren und verlor bereits mit 10 Jahren ihre Mutter. Der Großvater mütterlicherseits war lutherischer Pfarrer.

 

Mit 16 Jahren, 1899, betrat Helene Most erstmals eine katholische Kirche, von der man ihr  – nach eigenen Angaben –  bisher immer nur schlechtes erzählt hatte. Im jugendlichen Übermut ging sie mit einer Freundin aus dem Konfirmandenunterricht in eine katholische Messe, um sich dort „halb totzulachen“. Aber es kam anders, sie trat in eine fremde Welt ein und wurde von der Gnade getroffen. Helene Most berichtet selbst darüber: „Der Gottesdienst hatte schon begonnen. Viele Leute saßen oder knieten in den Bänken und standen in den Gängen. Wir blieben in der Nähe der Tür – etwas scheu, etwas angstvoll. Wer weiß, ob man uns Ketzer nicht bemerken und hinausweisen würde. Vom Altar und von dem was dort geschah, sahen wir über die Köpfe der Leute hinweg nur wenig. Der Priester sang lateinisch. Das klang majestätisch und weihevoll. Die Orgel tönte. Durch den ganzen Raum wob es sich wie ein Duft von Andacht und Frieden. Auf einmal schollen Glöckchen. Da kniete die ganze Gemeinde. Ich erschrak! Wie peinlich, zu stehen, zwischen all den Knienden! Viele erhoben sich sehr bald wieder. Ich atmete erleichtert auf. Und doch – einzig schön war es, als alle diese Menschen, wie vom gleichen Gedanken, vom gleichen Empfinden erfüllt, auf einen Schlag anbetend niederfielen. Ob die Glöckchen noch einmal läuteten? Ach wenn es doch geschähe! Und es geschah tatsächlich. Wieder warfen sich alle zu Boden. Ganz still wurde es darauf, heilig still. Und dann tönten die Glöckchen in die Stille hinein und die Beter neigten sich noch tiefer. Wir zwei am Eingang neigten uns mit den anderen. Ich kniete vor Gott, ohne es selbst recht zu wissen – zum ersten mal in meinem Leben, ergriffen, überwältigt, in wortloser Anbetung. Wie im Traum erhob ich mich und dachte nur: ‚Die Glöckchen – oh noch einmal, noch einmal!’ Und noch einmal läuteten sie. Nicht lange darauf war es aus. Die Leute strömten aus der Kirche. Wir gingen schweigend. ,Du’ sagte ich endlich ,ich fand das nicht zum Lachen’. ,Ich heute auch nicht’ gab meine Freundin etwas kleinmütig zurück. Am nächsten Sonntag zog es mich unwiderstehlich zur katholischen Kirche Diesmal kam ich allein. Ich wollte die Nähe Gottes spüren; sonst nichts.“ Soweit Helene Most zur Wirkung, welche die damals auschließlich gängige „alte Messe“ in ihr hervorrief. Es war der Beginn ihrer Bekehrung.

 

Ihr Übertritt zur katholischen Religion dauerte noch ca. 3 Jahre, angefüllt von inneren und äußeren Kämpfen. 1901 konvertierte die junge Frau. Schließlich wurde Helene Most Lehrerin an einer katholischen Schule. Wegen ihrer schwächlichen Gesundheit weilte sie zur Kur in St. Blasien im Schwarzwald, wo sie längere Zeit im Krankenhaus der Vinzentinerinnen logierte. Hier wurde sie mit dem klösterlichen Leben und der täglichen Sakramentsanbetung in der Krankenhauskapelle vertraut. Die Berufung eines Ordenslebens als Nonne wurde in ihr spürbar. Um Klarheit in jener Angelegenheit rang sie von 1905-1907. Im September dieses Jahres trat sie bei den Dominikanerinnen in Speyer ein und erhielt den Namen „Schwester Regina“. Poetisch begabt, publizierte der Pustet-Verlag Regensburg 1913 ihre Gedichte unter dem Titel „Sonne, ringe dich durch“. Zu ihrem Ordenseintritt hatte sie u.A. folgende Zeilen verfasst: „Die ihr mich liebt, so lasst mich nun, es treibt mich fort, ich kann nicht ruhn, ich höre einen Ruf von fern, das ist die Stimme meines Herrn! Die Stunde hat geschlagen, ich geh’ mein Kreuz zu tragen.“  Schon nach wenigen Jahren im Kloster verfiel sie in schwere körperliche und seelische Leiden, die sie Gott als Sühne aufopferte.

 

Am 4. November 1913 starb Helene Most - Schwester Regina - in Speyer. Sie war so schwach, daß sie sich kaum noch bemerkbar machen konnte. Als der Beichtvater der Sterbenden zuflüsterte: ,Schwester, der Bräutigam kommt!’, habe sie sich zum Erstaunen aller erhoben und mit so kräftiger Stimme gerufen, daß man es noch draußen vor der verschlossenen Tür hörte: ‚Mein Gott ich glaube an Dich, mein Gott ich hoffe auf Dich, mein Gott ich liebe Dich!’ Dann sank sie zurück und verschied. Schon 1905 hatte Helene Most ihr Leben bis in dieses Jahr aufgezeichnet, besonders ihr Kampf und ihre Beweggründe hinsichtlich des Religionswechsels. 1917 erschienen diese Aufzeichnungen in Buchform, unter dem Titel: „Gehe hin und künde – Eine Geschichte von Menschenwegen und Gotteswegen“, mit Anmerkungen herausgegeben von Pater Albert Maria Weiß O.Pr., im Herderverlag Freiburg.

  

   Jesuitenpater Dr. Anton Straub, Dogmatiker von Weltruf aus Bockenheim  

    

 

Anton Straub wurde am 15.Juli 1852 als Sohn des Schullehrers Georg Straub und seiner Ehefrau Katharina Straub geb. Bescher, in Großbockenheim geboren. Er absolvierte zusammen mit seinem um 1 Jahr jüngeren Bruder - dem späteren Geheimrat u. Chirurgen Dr. Georg Straub – das Gymnasium in Speyer.

Straub fühlte sich zum Priester berufen u. wurde 1869 aufgrund seiner hohen Begabung ins deutsche Kolleg zu Rom, dem berühmten „Germanicum“ aufgenommen. Als Germaniker erlebte der Bockenheimer Theologiestudent das Erste Vatikanische Konzil mit, dessen feierlichste Session am 18. Juli 1870, in der Peterskirche, zur Verkündigung des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas stattfand. 7 Jahre lang hatte Straub in Rom Philosophie und Theologie studiert, am 4. Juni 1875 die Priesterweihe empfangen u. nun kehrte er 1876 mit zwei Doktortiteln geschmückt, in seine Heimatdiözese Speyer zurück. Dort schickte man ihn zunächst als Kaplan nach Weyher, anschließend nach Homburg/Saar.

Schon auf der Heimreise von Rom suchte er beim General der Jesuiten um Aufnahme in den Orden nach u. erhielt die Erlaubnis dazu. Da jedoch in Deutschland der Kulturkampf herrschte u. die Jesuiten gerade wieder einmal ausgewiesen worden waren, trat Dr. Anton Straub 1878 – gegen den Willen seiner Eltern – zu St. Andrä in Kärnten, in diesen Orden ein. In der Habsburgermonarchie konnte sich die Gesellschaft Jesu frei entfalten und man legte ihm daher keinerlei Hindernisse in den Weg. Sein Necrolog beschreibt Pater Straub als „Gelehrtennatur mit tiefem Spekulationstalent“, der in seinem Orden demgemäß Verwendung gefunden habe. Nach seinem Noviziat ging er ab 1879 nach Innsbruck, um sich zu habilitieren. 1886 wurde Pater Straub Dozent, 1894 Extraordinarius und 1898 Ordinarius für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Hier lehrte er bis 1900 als Professor. Nachdem er Ende 1900 krankheitsbedingt aus dem Universitätsbetrieb ausscheiden mußte, ward er 1901 zum Honorarprofessor ernannt, konnte seine Lehrtätigkeit jedoch nie wieder aufnehmen. In seinem  Nachruf heißt es darüber, der Bruder, Dr. Georg Straub aus Edenkoben, namhafter Chirurg und Generaloberarzt der Bayerischen Armee im I. Weltkrieg, habe ihm in Innsbruck das Leben gerettet.

Im November 1902 zog sich Pater Anton Straub zurück und übersiedelte ins Kolleg der Jesuiten zu Kalksburg bei Wien, wo seine wichtigsten Publikationen entstanden. Dort verfasste er in lateinischer Sprache das 2-bändige Werk „Die Kirche“, welches ihn unter den katholischen Gelehrten in aller Welt bekannt machte. Es erschien 1912 unter dem Titel „De Ecclesia Christi“ u. eine  neuzeitliche Würdigung konstatiert: „er hat darin eine Fülle von Material zusammengetragen - eine für die damalige Zeit außerordentliche Leistung.“ (Margit Ksoll-Marcon, in T. Bautz, Biogr. Kirchenlexikon). In der Kalksburger Zeit beschäftige er sich wissenschaftlich u.A. mit der Analyse des persönlichen Glaubensaktes, worüber er 1922 das Buch „De analysi fidei“ veröffentlichte. Eine Vielzahl kürzerer theologischer Abhandlungen aus seiner Feder finden sich zw. 1887 u. 1926 in der „Zeitschrift für katholische Theologie“ (Wien/Innsbruck, gegründet 1877). Aus politischen Gründen nicht publiziert wurde sein Buch, zur immer noch offenen „Römischen Frage“, die Pater Straub beschäftigte, seit er 1870 die Besetzung des Kirchenstaates durch italienische Truppen miterlebt hatte. Damals bahnte sich aber bereits eine Lösung in der Gestalt eines päpstlichen Zwergstaates „Vatikanstadt“ an, die schließlich 1929 Wirklichkeit wurde u. die man durch solche Veröffentlichungen nicht unnötig gefährden wollte. 

Von 1902 bis zu seinem Tod, am 5. Dezember 1931, wirkte Pater Dr. Anton Straub in aller  Stille als Priester u. Theologe im Jesuitenkolleg Kalksburg bei Wien. Er wurde in einem Gemeinschaftsgrab der Jesuiten auf dem Gemeindefriedhof des XXIII. Wiener Bezirks Kalksburg beigesetzt. In Honolulu auf Hawai (USA) ist seit 1961 das neu gegründete medizinische Forschungszentrum „Straub Medical Research Institute“ nach dem dorthin ausgewanderten u. äußerst angesehenen Arzt Dr. Georg Francis Straub (1879-1966), dem Neffen von Pater Anton Straub benannt.  

  

 

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